UN-Beobachter – hilflos und unbewaffnet an der syrischen Front

Damaskus/ (dpa) – Die Vereinten Nationen haben Militärbeobachter nach Syrien geschickt, um eine Waffenruhe zu überwachen. Doch diese Waffenruhe erweist sich als Fata Morgana. Am Mittwoch wird der Leiter der UN-Beobachtermission in Daraa Augenzeuge eines Sprengstoffanschlags. Einen Tag später steht der norwegische Generalmajor Robert Mood in Damaskus in der Nähe eines Verhörzentrums vor ausgebrannten Autowracks. In den verkohlten Autos sind die Überreste der von einer Bombe zerfetzten Fahrer zu erkennen.

So werden die Beobachter, die selbst sind, zu hilflosen Zeugen des Schreckens. Ermittler, die Aufschluss geben könnten, wer die beiden Bomben in unmittelbarer Nähe des berüchtigten Foltergefängnisses in Damaskus platziert hat, sind sie nicht.

«Die Vereinten Nationen haben noch nie unbewaffnete Militärbeobachter in ein Gebiet geschickt, in dem es so gefährlich ist wie in Syrien», erklärt ein westlicher Diplomat. Selbst der oppositionelle Syrische Nationalrat (SNC), der ursprünglich einen UN-Einsatz zum Schutz der Zivilisten gefordert hatte, macht sich jetzt Sorgen um die Beobachter.

Nach dem Vorfall in Daraa erklärte SNC-Sprecher George Sabra: «Der Nationalrat fordert den Schutz der Beobachter durch ein robustes internationales Mandat, damit sie nicht zu Geiseln des Regimes werden (das bislang für ihre Sicherheit verantwortlich ist).»

Das Regime von Präsident Baschar al-Assad stellt die jüngsten Explosionen als Werk islamistischer Terroristen dar. In einer regimenahen Publikation war nach der Explosion von Daraa zu lesen: «So antworten sie auf die Wahl: mit Explosionen und Mord.» Am vergangenen Montag hatte in Syrien eine Parlamentswahl stattgefunden, die vom Regime als Meilenstein auf dem Weg zu mehr Demokratie gepriesen wurde. Die Protestbewegung boykottierte die Wahl. Das Wahlergebnis wurde bisher noch nicht bekanntgegeben.

Die Opposition lehnt ihrerseits jede Verantwortung für den Bombenterror ab. «Die Syrer wollen, dass die die Wahrheit ans Licht bringen», heißt es in einer Mitteilung des SNC, «außer dem Regime profitiert niemand davon, wenn die internationalen Beobachter bedroht werden».

Hassan al-Aswad ist ein Anwalt aus der Stadt Daraa, der im vergangenen Jahr in die geflohen war, um seiner erneuten Festnahme zu entgehen. Er ist fest davon überzeugt, dass das Regime die Explosionen selbst inszeniert, um vor den Syrern und der internationalen Gemeinschaft den Eindruck zu erwecken, die Revolutionäre seien islamistische Terroristen.

Das klingt nach orientalischen Verschwörungstheorien. Doch auch ein syrischer Ex-Militär hält diese Version für wahrscheinlich. Er fragt: «Wie sollte es einem Terroristen gelingen, zu einem Ort vorzudringen, der so gut gesichert ist wie dieser Gefängniskomplex?»

Zu den Ereignissen in seiner Heimatstadt Daraa, wo die Beobachter diese Woche um Haaresbreite dem Tod entronnen waren, sagt Al-Aswad: «Vor zwei Tagen tauchten in einem Viertel in Daraa Scharfschützen auf den Dächern auf. Die Aktivisten vor Ort informierten daraufhin die UN-Beobachter, die am Mittwoch dann auch anrückten. In dem Viertel, in dem die Scharfschützen waren, kam es dann zu einem Angriff der Deserteure der Freien Syrischen Armee auf ein Fahrzeug mit Soldaten der Regierungstruppen. Doch mit dem Sprengsatz, der später in der Nähe einer Straßensperre detonierte, als die UN-Beobachter vorbeifuhren, hatten die Deserteure nichts zu tun.» Nachprüfen lässt sich das nicht (Von Anne-Beatrice Clasmann, dpa )