Bericht der UN über die Situation älterer Mensche zeigt, dass die Türkei hinsichtlich der Lebensqualität für ältere Menschen Nachholbedarf hat.

Der UN-Bericht zum Global AgeWatch Index 2013 erstreckte sich auf 91 Nationen und sollte Aufschluss geben über die Lebensqualität und das Wohlergehen älterer Menschen. Unter den untersuchten Nationen soll Schweden der beste Ort für ältere Menschen sein, gefolgt von Norwegen. Der ungünstigste Ort hingegen sei Afghanistan.

Die Nationen, die sich auf den letzten vier Plätzen finden, sind islamisch oder haben eine größtenteils islamische Bevölkerung: Jordanien (Platz 88), Pakistan (Platz 89), Tansania (90) und Afghanistan. Unter den EU-Mitgliedsstaaten soll Polen (Platz 62 weltweit) das für Senioren ungünstigste Umfeld bieten, etwas besser liegen schon Griechenland (58) und Südzypern (Platz 57).

Die Türkei landete auf Platz 70, zwischen Indonesien und Ghana – ein tristes Ranking, das sich allerdings dadurch relativiert, dass das Land erst seit etwas mehr als zehn Jahren stabiles ökonomisches Wachstum verzeichnet, in welchen sich das Pro-Kopf-Einkommen des Landes verdreifachte. Der Bericht berücksichtigte vier Variablen als Bezugspunkte für die Analyse: Einkommenssicherheit, Gesundheitsstatus, Arbeit und Bildung, sowie die Möglichkeiten für ein soziales Leben und ein Leben in einer seniorengerechten Umgebung.

Eines der Mythen der türkisch-sozialen Kultur, dass ältere Menschen in dem Land gut aufgehoben wären, wurde ebenfalls durch den UN-Bericht zerstört. Hinsichtlich der letztgenannten Variable, die mit den sozialen Verbindungen, der körperlichen Sicherheit, bürgerlichen Freiheiten und dem Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln, zu tun hat, landete die Türkei nur auf Platz 60 von 91.

Einkommenssicherheit in der Türkei verhältnismäßig hoch

In Bezug auf soziale Verbindungen sagen 63% der Menschen über 50 Jahre, dass sie sich im Fall von Problemen auf Verwandte und Freunde verlassen können. 64% fühlen sich nachts sicher genug, um an dem Ort, an dem sie wohnen, allein durch die Straßen laufen zu können (körperliche Sicherheit), 49% sind zufrieden mit den Entscheidungsfreiheiten in ihrem Leben (zivile Freiheit) und 60% sind zufrieden mit dem System der öffentlichen Verkehrsmittel.

Das Themenfeld, in dem die Türkei am besten abschnitt, war die Einkommenssicherheit, bei der die Türkei auf Platz 30 landete. Um hier Daten zu gewinnen, wurden die Lebenssituationen älterer, pensionierter Musterpaare über 35 Jahre analysiert und auf dieser Basis ein Ergebnis vorgestellt.

Dennoch landete die Türkei auf Platz 84 von 91 Nationen in dem Themengebiet Arbeit und Bildung mit nur 27,5% Zufriedenen der 55-64-jährigen, im Vergleich etwa zu Israel mit 60%.

Bei einer Bevölkerung von 74 Millionen in der Türkei geht der Bericht von 7,1 Millionen über 60 Jahren aus, was 9,6% der Bevölkerung ausmacht. Bis zum Jahr 2050 wird erwartet, dass diese Altersgruppe auf 26% der Bevölkerung aufsteigt.

Dort, wo schon am längsten Wohlstand herrscht, leben ältere Menschen am besten

Das globale Ranking der Länder zeigt, dass ältere Menschen am besten in Nord- und Westeuropa sowie in nordamerikanischen und einigen ostasiatischen und lateinamerikanischen Ländern leben, die bereits seit längerer Zeit auf ein hohes Wohlstandsniveau zurückblicken können. Schweden landete in allen Themenfeldern unter den Top 10.

Die anderen Plätze in den Top 10 wurden belegt von zwei weiteren nordischen Ländern, nämlich Norwegen (2) und Island (9), drei westeuropäischen Ländern mit Deutschland (3), den Niederlanden (4) und der Schweiz (6), zwei nordamerikanischen Ländern mit Kanada (5) und den USA (8) sowie zwei Ländern in Asien und dem Pazifik: Neuseeland (7) und Japan (10). Australien (11), Irland (12), das Vereinigte Königreich(13) und Australien (14) sind ebenfalls unter den Top 15. Vor allem in afrikanischen und ostasiatischen Ländern ergeht es älteren Menschen am schlechtesten.

In den Top 20 sind 12 Nationen aus der Europäischen Union. Der Index zeigt, dass, während die Bevölkerung in Westeuropa, Russland und China bis 2050 deutlich älter werden wird, Afrika der jüngste Kontinent bleibt.

Bis 2050 sollen südeuropäische Länder den größten Anteil an älteren Menschen haben (38%), gefolgt von westeuropäischen (34%), osteuropäischen (33%) und nördlichen Ländern (30%).