Zypern bei Sonnenuntergang

Für die Zyprer geht es in den Schweizer Alpen ums Ganze: Wächst ihre Insel 43 Jahren Teilung wieder zusammen? Alle beteuern, sie wollten eine Lösung. Der Teufel liegt im Detail. Die Türken sind am Zug.

Bei den neuen Verhandlungen über eine Wiedervereinigung Zyperns in Crans-Montana in den Schweizer Alpen geben sich die Vereinten Nationen zuversichtlich. «Der Auftakt ging über meine Erwartungen hinaus», sagte der UN-Vermittler für Zypern, Espen Barth Eide, am Mittwoch. Im Falle einer Abmachung zur Überwindung der mehr als 40-jährigen Teilung der Mittelmeerinsel könne noch vor Jahresende ein Referendum über das Ergebnis in beiden Teilen der Insel stattfinden.

Eide legte die Erfolgslatte hoch: «Der größte Erfolg wäre ein umfassender Deal, das ist hart, aber nicht unmöglich», sagte er. Wenn das nicht gelinge, müsse wenigstens ein Durchbruch bei allen Knackpunkten erzielt werden, so dass nur noch kleinere Einzelheiten beschlossen werden müssten. Sonst könne man nicht von einem Erfolg sprechen, sagte Eide. Die Gespräche sollen bis zum 7. Juli dauern. Angestrebt wird eine Föderation mit zwei Bundesstaaten.

Größter Streitpunkt ist die Stationierung der 35 000 türkischen Soldaten, die nach dem Willen Ankaras die türkischstämmige Minderheit schützen soll. Das sei in einem vereinten Zypern nicht nötig, argumentiert die griechische Seite. Die Zyprer müssen sich in Sicherheitsfragen mit den Garantiemächten Türkei, Griechenland und Großbritannien, der ehemaligen Kolonialmacht, absprechen. Die Briten wollen ihre zwei Militärstützpunkte ebenfalls nicht aufgeben.

Dass der britische Außenminister Boris Johnson noch vor der förmlichen Eröffnung am Morgen wieder abreiste, habe ausschließlich mit der britischen Innenpolitik zu tun, sagte Eide. Johnson hatte am Dienstagabend an einem informellen Dinner mit seinen Außenministerkollegen aus der Türkei und Griechenland sowie den Vertretern der türkischen und griechischen Zypern teilgenommen.

Neben den Fragen der territorialen Sicherheit müssen sich die Zyprer auf den genauen Grenzverlauf, die Entschädigung für Vertriebene und die Zusammensetzung der Regierung verständigen. In diesen Fragen seien schon große Fortschritte gemacht worden, so Eide.

dpa