UNESCO mahnt: „Vielfalt kultureller Ausdrucksformen gefährdet“

Von den heute rund 6.000 gesprochenen Sprachen ist die Hälfte vom Verschwinden bedroht. Daran erinnert die UNESCO am heutigen Donnerstag zum internationalen Tag der Muttersprache. Ein Großteil der gefährdeten Sprachen werde von weniger als 10.000 Menschen gesprochen.

Dass Sprachen gefährdet sind, hat nach Auffassung der Organisation vielfältige Gründe: Krieg, Vertreibung und Stigmatisierung gehören ebenso dazu wie Migration und Vermischung der Sprachen. Auch Medien würden weltweit den Einfluss einzelner Sprachgruppen, insbesondere des Englischen, auf Kosten anderer verstärken.

In diesem Jahr steht das Wechselverhältnis von Buchproduktion und gesprochener Sprache im Mittelpunkt der weltweiten UNESCO-Initiativen. In vielen Ländern würden immer weniger Bücher und Lehrbücher in lokalen Sprachen und Dialekten gedruckt, so heißt es seitens der Deutschen UNESCO-Kommission e.V. in einer Pressemitteilung. Dies bedrohe die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen und die soziale Inklusion kleinerer Sprachgemeinschaften. Jede Sprachvariante stehe für eine eigene Sicht der Welt. Dies gelte für Ureinwohnersprachen auf Papua-Neuguinea genauso wie für die Weltsprache Englisch.

In Deutschland werden vielfältige Aktionen zum internationalen Tag der Muttersprache stattfinden. An der Universität Bonn etwa soll die Sprachwissenschaftlerin Claudia Wich-Reif eine Vorlesung zum Kommen und Gehen von Dialekten halten. Auch Medien greifen das Thema auf: Der Saarländische Rundfunk wird zum Tag der Muttersprache das regionale TV-Magazin „aktueller bericht“ auf Saarländisch senden.

Situation in Deutschland und in der Türkei

Seit dem Jahr 2000 macht der internationale Tag der Muttersprache auf sprachliche und kulturelle Vielfalt und Mehrsprachigkeit aufmerksam. Die UNESCO hat einen Atlas der bedrohten Sprachen erstellt. Derzeit seien darin 2.473 Sprachen nach Name, Bedrohungsgrad und Region aufgelistet, darunter auch 231 Sprachen, die seit 1950 ausgestorben sind. In Deutschland seien aktuell die Regional- und Minderheitensprachen Nordfriesisch und Saterfriesisch ernsthaft gefährdet. Neun weitere Dialekte seien gefährdet, darunter das Ostfränkische oder das Alemannische.

Die Türkei hat, um die Rechte der nichttürkischen Volksgruppen zu stärken, im Laufe der vergangenen Jahre eine Reihe von gesetzgeberischen Maßnahmen gesetzt. Vor allem die Kurden haben nun mehr Möglichkeiten, ihre Sprache zu pflegen. Neben der Zulassung kurdischsprachiger Medien und der Einführung eines Wahlfachs „Kurdisch“ an Schulen dürfen nun auch Gerichtsaussagen in der Muttersprache vorgenommen werden. Allerdings ist das Interesse innerhalb der Zielgruppe selbst bislang noch überschaubar.