„Unsere Aufgabe ist nicht, Kinder wegzunehmen”

Augsburg ist mit 266.000 Einwohnern von der Bevölkerungszahl her die drittgrößte Stadt Bayerns. Laut dem Bayerischen Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung sind etwa 40.000 Bürger unter 18 Jahre alt. Laut der Augsburger Allgemeinen Zeitung leben etwa 100.000 Bürger mit Migrationshintergrund in der Friedensstadt. Die Zahl der türkischstämmigen Bürger beträgt dabei etwa 22.000. Fast 60 Prozent der 5- bis 10-Jährigen haben einen Migrationshintergrund. Allein diese Merkmale zeigen deutlich, warum deutsche Behörden in Großstädten interkulturell arbeiten sollten.

Wie genau das Amt für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Augsburg mit Interkulturalität umgeht und was in Bezug auf diese Herausforderung geplant wird, darüber haben wir mit der Leiterin des Amtes, Sybille Beyer, und der Sozialpädagogin Brigitte Miller gesprochen. Leiterin Beyer, die offenbar die jüngsten Debatten über Diskriminierungsvorwürfe vonseiten einiger Jugendämter gegenüber Einwandererfamilien verfolgt hat, betont gleich am Anfang des Gesprächs, dass Jugendämter kein Interesse daran haben, die Kinder von ihren Eltern wegzunehmen und irgendwo in die Pflege zu geben. „Wir greifen nur dann ein, wenn es nötig ist“, sagt Beyer.

Um auch Familien mit Migrationshintergund besser zu verstehen, hat Beyer die „interkulturelle Öffnung“ ihres Amtes ins Leben gerufen. Es sollen mehr Mitarbeiter mit Migrationshintergrund gewonnen werden und das eigene Personal durch Seminare auf die zunehmende kulturelle Vielfalt in der Gesellschaft vorbereitet werden. Derzeit arbeiten beim Amt etwa 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, nur wenige davon haben Migrationshintergrund. Das Problem bestehe darin, dass es nur wenige Bewerber mit Migrationshintergrund, die den Studienabschluss der Pädagogik/Sozialarbeit absolviert haben, auf offene Stellen gäbe. Aktuell ist auf der Homepage der Stadt Augsburg eine Stelle für dieses Amt offen.

Reichhaltiges Aufgabenspektrum

Oft wird Jugendämtern willkürliches Handeln vorgeworfen. Dabei greifen die Mitarbeiter des Jugendamts nicht einfach so ins Familllienleben ein; sie werden erst dann aktiv, wenn Hinweise auf eine Kindeswohlgefährdung durch die Nachbarschaft, Bekannte, Kollegen oder andere auftauchen. Für einen sensibleren Umgang mit türkischstämmigen Familien sind jedoch mehr Information und Wissen über die Kultur der Menschen erforderlich.

Die Amtsleiterin hat zudem das vielfältige Aufgabenspektrum ihres Amtes erläutert. Zu ihrem Aufgabengebiet gehören vor allem folgende Themen: Frühe Hilfen für Neugeborene, Kindertagesbetreuung, Erziehungsberatung, Pflegschaft und Adoption von Kindern, Jugendhilfe im Strafverfahren, Jugendschutz, Sozialdienst, Beratung und Unterstützung von Kindern und Jugendlichen und vieles mehr.

„Wir setzen alles daran, Kinder und Jugendliche vor Vernachlässigung, körperlicher und seelischer Misshandlung zu schützen“, sagt die Amtsleiterin. Das Jugendamt Augsburg unterstütze ebenfalls die Familien. So habe man in Augsburg sechs Familienstützpunkte eingerichtet, um die Familien über Kinderbetreuungsangebote zu informieren und Begegnungen sowie Austausch zu ermöglichen. Auch für neugeborene Kinder organisiert das Jugendamt Hausbesuche durch Krankenschwestern, um junge Mütter zu beraten. Damit sich Kinder in den Schulferien nicht langweilen, bietet das Jugendamt Augsburg schließlich auch verschiedene Freizeitprogramme.

Jugendämter haben in der Gesellschaft eine unverzichtbare Aufgabe: Das Kindeswohl zu bewahren. Allerdings haben viele Bürger Angst und Vorurteile gegenüber diesen Ämtern. Bisweilen werden diese durch Berichte über konkrete Fälle verstärkt, in denen Kritik am Handeln der Behörde geübt wurde. Um das Problem zu lösen, sollten sich die Ämter noch mehr nach außen öffnen. Das Jugendamt Augsburg hat den ersten Schritt gemacht.