Demonstration gegen Donald Trump

Russell Moore hat nicht viel Gutes über den zweimal geschiedenen Kandidaten zu sagen, der mit dem „Playboy“ Magazin vertrauter zu sein scheine als mit der Bibel. Der Präsident der Ethik-Kommission der Southern Baptist Church zog erst in einem Meinungsbeitrag für die „New York Times“ und dann in einem Interview des TV-Senders CBS vom Leder. Trump, so das Fazit des einflussreichen Führers der größten protestantischen US-Kirche, sei „das moralische Abwasser des Reality-TV“.

Der Kandidat schlug via Twitter zurück: „Russell Moore ist wahrhaft ein fürchterlicher Repräsentant der Evangelikalen und all dem Guten, für das sie stehen. Ein widerlicher Kerl ohne Herz“. Moore konterte mit nur einem Wort: „traurig“. Dann bemühte er das „Buch der Könige“, dem wenig mit der Bibel vertrauten Spitzenkandidaten die Leviten zu lesen.

Die hässliche Episode illustriert, wie es um das Verhältnis zwischen einem Gutteil der christlichen Rechten und den Republikanern steht, wenn sie im Herbst mit Trump ins Rennen um das Weiße Haus ziehen werden.

„Trump agiert mehr wie ein Fernsehprediger als wie ein Evangelikaler“

Mit dem Ende der Kandidatur von Ted Cruz, der das christliche Banner so hoch wie nur wenige andere Anwärter vor ihm hochgehalten hatte, droht nun auch die christliche Rechte selbst an den Rand gedrängt zu werden. Sarah Posner fragt in einer Analyse für die „New York Times“ bereits provokativ: „Ist dies das Ende der religiösen Rechten?“

Sicher nicht. Schließlich gibt es auch Teile der Evangelikalen, die sich hinter jenen Kandidaten gestellt haben, der auch mit seiner so gut wie sicheren Nominierung weiter gegen Mexikaner und Muslime hetzt, eine Mauer bauen und die Angehörigen einer ganzen Religionsgemeinschaft nicht mehr in die USA einreisen lassen will.

Die prominentesten Vertreter dieses evangelikalen Flügels sind der Präsident der Liberty University, Jerry Falwell Jr., und Franklin Graham, der Sohn des Volkspredigers Billy Graham. Der baptistische Moraltheologe David Gushee von der „Mercer University“ meint, Falwell und Graham sprächen wie Trump eine evangelikale Subkultur an, die Wohlstand und Gesundheit ins Zentrum der Verkündigung rücke. „Trump agiert mehr wie ein Fernsehprediger als wie ein Evangelikaler“, so Gushee.

In Umfragen lässt sich dieses Segment gut abgrenzen. Trump-Anhänger gehen seltener zur Kirche, interessieren sich weniger für den Kulturkampf und sind flexibler in ihren moralischen Ansichten. Das entspricht dem Kandidaten, der bis 2011 noch ein entschiedener Befürworter des geltenden US-Abtreibungsrechts war. Nach der Grundsatzentscheidung zur „Homo-Ehe“ gab Trump zu erkennen, dass das Thema für ihn damit erledigt sei. Kein besonderes Interesse zeigt der Rechtspopulist auch am jüngsten Streit über die Benutzung der „richtigen Toilette“ von Transsexuellen.

Trump verfängt weder bei liberalen noch bei konservativen Christen

Bei Themen wie Einwanderung oder Religionsfreiheit geht er eigene Wege – die weder bei liberalen noch bei konservativen Christen einleuchten. Trumps offener Flirt mit Rassismus und Sexismus macht ihn für den traditionellen Teil der christlichen Rechten unwählbar.

Damit könnte das seit rund 30 Jahre bestehende Bündnis zwischen der christlichen Rechten und der „Grand Old Party“ vor der Scheidung stehen. Das hätte unabsehbare Konsequenzen für beide Seiten. Kurzfristig kann sich Trump jedenfalls nicht mehr automatisch auf die Heerscharen an Freiwilligen aus dem dichten Netz konservativer Gemeinden verlassen, die in der Vergangenheit für republikanische Kandidaten Wahlkampf gemacht haben.

Offen ist die Frage, wie sich diese Wählergruppe, die unter Präsident George W. Bush (2001-2009) mehr als ein Drittel der republikanischen Stimmen ausmachte, bei den Wahlen im November verhalten wird. Sofern eine größere Zahl von ihnen zu Hause bleibt, könnte das Trump den Weg ins Weiße Haus verbauen. Der Chef-Ethiker der Southern Baptist dürfte damit sehr einverstanden sein. Denn Russell Moore meint mit #NeverTrump genau das: auf gar keinen Fall Trump. (kna/ dtj)