Erstmals sollen Kampfflugzeuge der USA vom türkischen Luftwaffenstützpunkt İncirlik aus in Richtung des sogenannten Islamischen Staates gestartet sein. Das teilte das Pentagon am Mittwoch ohne weitere Einzelheiten mit. Der US-Sender CNN berichtete in der Nacht zum Donnerstag unter Berufung auf das Verteidigungsministerium, die Angriffe seien auf Ziele in Syrien geflogen worden. Nach zähen Verhandlungen hatte die Türkei den USA kürzlich die Nutzung ihres Luftwaffenstützpunktes erlaubt. Damit verkürzen sich die Flugzeiten deutlich. Auch die Nachrichtenagentur Doğan berichtete, am Mittwochabend seien drei US-Jets beim Start in İncirlik beobachtet worden.

Geht es allerdings nach dem türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu, haben diese Angriffe nicht stattgefunden. „Die Vereinigten Staaten haben den IS noch nicht von der Türkei aus angegriffen“, so Çavuşoğlu in einem Fernsehinterview am Donnerstag. Dennoch seien „Aufklärungsflüge“ von İncirlik aus gestartet, so der Minister weiter. Nach monatelangen Verhandlungen hatte die türkische Regierung Ende Juli der Nutzung der İncirlik Airbase durch die US-Streitkräfte zugestimmt. 300 amerikanische Soldaten wurden seitdem von einem Stützpunkt in Italien nach İncirlik verlegt.

US-Generalstabschef: IS nicht stärker als vor einem Jahr

Währenddessen sieht der scheidende Generalstabschef des US-Heeres, Ray Odierno, Erfolge im Einsatz gegen die Terrormiliz Islamischer Staat. Odierno sagte am Mittwoch in Washington, viele der obersten Befehlshaber des IS seien getötet worden. Dies habe die Gruppierung geschwächt. Die Terrormiliz sei stark auf die Rekrutierung von Kämpfern über soziale Netzwerke angewiesen.

Nach Einschätzung des US-Verteidigungsministeriums habe der Islamische Staat zwischen 20 000 und 30 000 Kämpfern, so etwa wie vor einem Jahr. Die Terrormiliz hätte keine Fortschritte gemacht, seit dem die Alliierten mit ihren Bombenangriffen gegen den IS im Irak und später in Syrien begonnen hätten. Erfolgreich seien auch die kurdischen Kräfte gewesen, die die Terrormiliz aus eroberten Gebieten im Irak und Syrien verdrängt hätten. Odierno wird am Freitag von Mark Milley auf seinem Posten abgelöst. Odierno hat insgesamt mehr als vier Jahre im Irak gedient.

Zur Zeit sind mehr als 2900 Soldaten im Irak und anderen Region des Nahen Ostens zur Unterstützung der multinationalen Koalition, die gegen den IS im Irak und Syrien kämpft. Die US-Soldaten sind als Berater im Einsatz, greifen aber nicht auf dem Schlachtfeld ein. Die Last der Kampfhandlungen selbst liegt auf den Schultern moderater syrischer Rebellen, kurdischer Kämpfer und den irakischen Sicherheitskräften.

Odierno machte aber zugleich klar, dass die USA dieses Problem für die Region nicht lösen könnten. „Das muss von denen in der Region gemacht werden“. Es sei aber wichtig, dass die USA bei der Ausbildung Unterstützung leisteten und versuchten, Fähigkeiten und Kapazität zu entwickeln. (dpa/dtj)