USA: Nach Boston-Anschlag nun auch Explosion in Texas

Die Explosion einer Düngemittelfabrik in Texas hat möglicherweise Dutzende Menschen getötet. Die Behörden hielten sich zwar stundenlang zurück und bestätigten nur „Tote“. Der Fernsehsender CBS berichtete aber Donnerstag früh (Ortszeit) unter Berufung auf den Chef des lokalen Rettungsdienstes von mindestens 60 Toten. Mehr als 100 Menschen seien verletzt worden. Vertreter der Stadt sprachen anfangs nur von „einer unbestimmten Zahl von Toten“. Die Ursache des Unglücks war zunächst unklar.

Die Explosion geschah am Abend in der Stadt West in der Nähe von Waco in Osttexas. CBS zufolge schossen gewaltige Stichflammen in den Himmel. Die Fabrik sei total zerstört. Auf Fernsehbildern war eine riesige Rauchwolke über der Ortschaft gut 30 Kilometer nördlich von Waco zu sehen, Gebäude standen in Flammen. Unter den Toten sollen auch Feuerwehrleute sein, die helfen wollten. Die Explosion soll noch im 75 Kilometer entfernten Waxahachie zu hören gewesen sein.

Nach Angaben des Bürgermeisters von West wurden bei dem Unglück am Mittwochabend (Ortszeit) bis zu 80 Häuser zerstört. In einem Umkreis von fünf Blocks um die Fabrik habe es schwere Schäden gegeben, sagte Tommy Muska dem Nachrichtensender CNN. Betroffen seien auch eine Schule und ein Altenheim. Muska konnte zur Zahl der Todesopfer noch keine Angaben machen.

Auf einem nahe der Fabrik gelegenen Sportplatz wurde ein Notfallzentrum eingerichtet. Krankenwagen und Hubschrauber brachten die Verletzten in umliegende Kliniken. Ein Mitarbeiter eines Krankenhauses in Waco sagte CNN, man sei aufgefordert worden, sich auf die Versorgung von 100 Verletzten vorzubereiten.

Vor der Explosion war den Berichten zufolge ein Feuer in der Fabrik ausgebrochen. Als ein Düngemitteltank explodierte, seien schon Feuerwehrleute am Unglücksort gewesen. Da sich auf dem Gelände noch ein zweiter Tank befinde, seien die Bewohner von West aufgefordert worden, sich in Sicherheit zu bringen, berichtete CNN. Auch die Hubschrauberpiloten seien angewiesen worden, wegen einer befürchteten zweiten Explosion eine Mindestflughöhe einzuhalten.

FBI meldet Festnahme im Zusammenhang mit Gift-Briefen

Im Zusammenhang mit den an US-Präsident Barack Obama und einen Senator verschickten Giftbriefen hat es eine Festnahme gegeben. Das teilte die US-Bundespolizei FBI am Mittwochabend (Ortszeit) mit. Die verdächtige Person sei den Ermittlern im US-Bundesstaat Mississippi ins Netz gegangen, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf eine Mitteilung des Justizministeriums. Er soll die Briefe an Obama und den republikanischen Senator Roger Wicker sowie ein weiteres Schreiben an einen Vertreter der Justizbehörde in Mississippi verschickt haben.

Die Briefe waren ersten Tests zufolge mit dem tödlichen Gift Ricin präpariert. Das Schreiben an Senator Roger Wicker war bereits am Dienstag in einer Poststelle des US-Kongresses im Bundesstaat Maryland entdeckt worden. Am Mittwoch teilte das FBI mit, dass auch ein an Obama adressierter Brief positiv auf das Gift getestet wurde. Die Schreiben seien zur weiteren Untersuchung in Speziallabors gebracht worden.

Den Berichten zufolge wurde der Verdächtige in seiner Wohnung in Corinth Mississippi festgenommen. Die Stadt liegt in der Nähe von Tupelo, dem Heimatort von Senator Wicker. CNN zufolge war der Mann bereits seit längerem im Visier der Sicherheitsbehörden, da er bereits mehrfach Briefe an Wicker geschrieben habe.

Zwei Tage nach dem Terroranschlag in Boston hatten die Gift-Briefe am Mittwoch für Wirbel in Washington gesorgt. Nach Angaben von US-Sendern wurde auch ein „verdächtiges Paket“ im Senat entdeckt. Mehrere Büros seien geräumt worden. Hinweise auf einen Zusammenhang mit dem Terroranschlag beim Boston-Marathon, bei dem drei Menschen getötet und mehr als 180 verletzt wurden, gab es jedoch nicht.

Ricin (oder: Rizin) ist ein hochgiftiger Eiweißstoff, der aus den Samen des Wunderbaums gewonnen wird. Geringsten Mengen reichen aus, um einen Menschen zu töten.

Polizei sucht Berichten zufolge zwei Verdächtige nach Boston-Anschlag

Nach dem tödlichen Terroranschlag von Boston verfolgen die Ermittler US-Medienberichten zufolge eine konkrete Spur – eine bereits von mehreren Sendern vermeldete Festnahme eines Verdächtigen wurde vom FBI aber dementiert. Eine für Mittwochabend angekündigte Pressekonferenz zum Stand der Ermittlungen wurde von der US-Bundespolizei mehrfach verschoben und schließlich ganz abgesagt.

Bei dem Anschlag während des Boston-Marathons waren am Montag drei Menschen getötet und mehr als 180 verletzt worden. Die Hintergründe sind nach wie vor unklar. US-Präsident Barack Obama wollte am Donnerstag an einem Gedenkgottesdienst für die Opfer teilnehmen.

Wie der Sender CNN berichtete, suchen die Fahnder nach zwei verdächtigen Männern, die am Tag des Anschlags nahe der Marathon-Ziellinie fotografiert worden waren. Einer der Männer habe einen schwarzen Rucksack getragen. Zudem sei ein Verdächtiger mit einer weißen Baseball-Kappe, einem hellen Kapuzenshirt und einer schwarzen Jacke bekleidet gewesen, hieß es unter Berufung auf zwei mit den Ermittlungen vertraute Behördenvertreter. Es sei bislang aber noch nicht gelungen, die Verdächtigen namentlich zu identifizieren.

Die Zeitung „Boston Globe“ berief sich auf Ermittlungen, wonach ein Verdächtiger am Ort der zweiten Explosion in der Boylston Straße eine schwarze Tasche getragen und womöglich dort abgelegt habe. Die Kamera eines auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegenden Geschäfts habe klare Bilder vom Tatort geliefert, hieß es. Unklar war jedoch, ob auch der Verdächtige von dieser Kamera gefilmt wurde.

Die Ermittler kämen voran, sagte der Gouverneur von Massachusetts, Deval Patrick, bei CNN. Mit „jeder Stunde“ sei man der Lösung des Falls näher. Zugleich bat er aber um Geduld. „Wenn sie (die Ermittler) damit fertig sind, sich ein komplettes Bild zu machen, werden sie uns sagen, wie dieses Bild aussieht“, sagte Patrick.

Zuvor hatten die Sicherheitsbehörden weitere Einzelheiten zur Bauart einer der Bomben bekanntgegeben. Demnach bestand sie aus mit einem Zünder versehenen Schnellkochtopf, der neben Schwarzpulver auch Nägel und Metallteile enthielt. Teile des Topfdeckels wurden CNN zufolge am Mittwoch auf einem Hausdach in der Nähe der Ziellinie gefunden. Ob auch die zweite Bombe aus einem Schnellkochtopf gebaut war, sei noch unklar. Beide Sprengsätze wurden nach FBI-Angaben vermutlich in schwarzen Nylontaschen zum Tatort gebracht.

Bei der Explosion der Bomben waren ein achtjähriger Junge, eine 29 Jahre alte Amerikanerin und eine Studentin aus China getötet worden. Am Mittwoch schwebten immer noch zwei der mehr als 180 Verletzten in Lebensgefahr. Der Zustand von zehn weiteren sei ernst, meldete CNN unter Berufung auf das Bostoner Traumazentrum.

Präsident Obama wurde am Donnerstag zu einem Gedenkgottesdienst für die Anschlagsopfer in der Heiligkreuz-Kathedrale in Boston erwartet. Die Flaggen an öffentlichen Gebäuden im Land wehen noch bis Samstag auf halbmast. (dpa/dtj)