USA: Studie bremst Fracking-Optimismus

Fracking beschreibt eine neue Öl-Fördermethode, die vor allem in den USA eingesetzt wird. Unter Einsatz von Wasser, Sand und Chemikalien werden Gas und Öl aus Gesteinsschichten weit unter der Erde hervorgesprengt. Angesichts der optimistischen Zahlen, die mit Blick auf die revolutionäre Technologie veröffentlicht wurden, hatten es Skeptiker bis jetzt schwer, der Euphorie etwas entgegenzusetzen.

So schwärmte Anfang 2012 selbst US-Präsident Barack Obama vom Fracking. „USA besitzt Gas für hundert Jahre“, soll er prognostiziert haben. 600.000 neue Arbeitsplätze könnten entstehen. Gleichzeitig drückte der neue Fracking-Boom den Gaspreis auf ein Zehnjahrestief. Gas ist in Amerika dreieinhalb Mal günstiger als in Europa. Viele sehen in Fracking den Ausweg Amerikas aus der Wirtschaftskrise. Auch werden die USA 2013 erstmals seit 1995 mehr Öl exportieren als importieren. Das Land kann sich selbst versorgen, und diese Aussicht zieht natürlich weitreichende wirtschaftliche, finanzielle und geostrategische Folgen mit sich.

In Europa und vor allem Deutschland ist man hingegen bisher sehr skeptisch gewesen, obwohl in den USA Öl und Gas mittels der Fracking-Methode bereits mit voller Kraft erschlossen werden. PwC- Energieexperte Norbert Schwieters erklärt die europäische Zurückhaltung: „Während das Fracking in Nordamerika gängige Praxis ist, werden Schieferölvorkommen in Europa wegen massiver Umweltbedenken kaum erschlossen.” Die von Öko-Lobbygruppen behaupteten verheerenden Gefahren für die Umwelt ließen die Europäer bislang vor dem Fracking zurückschrecken. Umweltschützer warnten – wenn auch nicht selten unsubstanziiert und ohne überzeugende Beweise – vor einer Verseuchung der Grundwässer, vor hohem Wasser- und Landverbrauch und sogar Erdbeben. Selbst in Hollywood wurden Katastrophenfilme wie „Promised Land“ gedreht, um vor der neuen Technologie zu warnen – was seitens der Fracking-Befürworter mit dem Hinweis darauf bedacht wurde, dass das Geld für diese Produktionen zum Teil von arabischen Ölemiraten gekommen ist.

KfW-Studie widerspricht dem kurzfristigen Optimismus der Amerikaner

Mit dem kurzfristigen Boom in den USA und der Tatsache, dass Europa und gerade die deutsche Industrie von ausländischem Öl so stark abhängig ist, werden zunehmend Stimmen lauter, die das Fracking auch für Europa fordern. Wenn die amerikanische Wirtschaft dank dieser Technologie voranschreitet, dann sollte es die europäische Wirtschaft ihr gleichtun, fordern Industrielle und Wirtschaftsverbände immer häufiger.

Nun kam die staatliche Förderbank KfW in einer am Dienstag veröffentlichten Studie zu einem ganz anderen Schluss. Das Öl-Fracking brächte den USA anderen Volkswirtschaften gegenüber anscheinend keinen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Vor allem in Bezug auf Deutschland sei das Fracking als Wettbewerbsfaktor nicht entscheidend. Unter Energieeffizienz- und Umweltgesichtspunkten sei das Fracking eine fragwürdige Methode. Im Fokus der Studie stand der Einfluss von günstigem Fracking-Öl auf die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen.

Das Fazit der Studie war erstaunlich, denn es widerspricht allen Befürchtungen deutscher Unternehmen. Diese äußern vermehrt Angst davor, dass sie in Folge der Fracking-Revolution Wettbewerbsnachteile auf dem Weltmarkt spüren könnten. US-Unternehmen könnten nicht günstiger als deutsche Unternehmen produzieren, ist jedoch die Kernaussage der KfW-Studie, die nunmehr die deutsche Wirtschaft beruhigen soll. Man müsse wissen, dass Energiekosten nur einen kleinen Teil der gesamten Produktionskosten ausmachen würden, im produzierenden Gewerbe wären dies in den USA und Deutschland durchschnittlich nur 2 Prozent. Veränderungen beim Energiepreis würden sich damit nur geringfügig auf die Verbraucherpreise niederschlagen.

Es gäbe auch Ausnahmen. Zum Beispiel könnten die Energiekosten in energieintensiven Industrien und Spezialindustrien bis zu 30 Prozent ausmachen. Doch die KfW- Studie macht deutlich, dass Spezialindustrien unbedeutend seien, wenn es um die Frage geht, ob Fracking die preisliche Wettbewerbsposition einer gesamten Volkswirtschaft beeinflussen könne.

Führt Überfluss an Ressourcen zur Ineffizienz?

Fracking könne der US-Wirtschaft langfristig sogar Probleme bereiten. Wettbewerbsnachteile wären die Folge. Energieeffizienz sei in Deutschland schon seit Jahren ein großes Thema. Deutsche Ingenieure und Politiker arbeiteten stetig an der Verbesserung der Energienutzung. Dies sei in USA nicht der Fall. Die Folgen der nun in Überfluss vorhandenen Ressourcen könnten schwerwiegend sein, denn der Effizienzgedanke verschwinde mit dem Anstieg kurzfristig vorhandener Ressourcen. Und das sei das Problem. KfW-Autor Tobias Rehbock bezeichnet dies sogar als das größte Problem der Amerikaner: „Das kann langfristig zu einer unter Effizienzgesichtspunkten nicht wettbewerbsfähigen Wirtschaft führen.“

Ob hinter dieser – aus Sicht von Kritikern eher esoterisch anmutenden – Annahme tatsächlich belastbare Zahlen stehen oder ob die staatliche Bank auf diese Weise eher versucht, die stark ideologisch geführte und durch hohe Subventionen für erneuerbare Energien gekennzeichnete deutsche Energiepolitik schönzureden, bleibt strittig.