Papst Franziskus grüßt
Papst Franziskus

Am 28. November wird Präsident Recep Tayyip Erdoğan das Oberhaupt der Römisch-Katholischen Kirche, Papst Franziskus, als ersten offiziellen Staatsgast im neu errichteten „Weißen Palast“ in Ankara empfangen.

„Der Papst geht, wie jeder höfliche Mensch, dorthin, wo ihn der Präsident empfangen will“, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am Montag in Rom. Die Architektenkammer in Ankara hatte das Oberhaupt der katholischen Kirche zuletzt aufgefordert, den Palast bei seiner Reise zu meiden. Lombardi sagte zu der Kritik am Palast: „Das ist ein Problem, was den Heiligen Stuhl oder den Papst nicht betrifft.“ Franziskus wird während dieser Reise auch erstmals eine Moschee betreten, und zwar die Sultan-Ahmed-Moschee (Blaue Moschee) in Istanbul.

Offizelles Einladungsschreiben veröffentlicht

Die Milli Gazete veröffentlichte am Samstag das offizielle Einladungsschreiben des türkischen Präsidenten an den Heiligen Stuhl, in dem Erdoğan das Oberhaupt des Vatikans als „Gefäß der Heiligkeit“ ansprach. Darüber hinaus äußerte sich Erdoğan wie folgt: „Dialog und wechselseitiges Verständnis sind jetzt wichtiger als je zuvor. Seit Sie zum spirituellen Führer der katholischen Welt geworden sind, habe ich Ihre Bemühungen um den Frieden in der Welt, Brüderlichkeit und Frieden unter den Völkern mit Hochachtung verfolgt.“

Der zweitägige Besuch des Papstes habe, so Erdoğan, auch eine spezielle Bedeutung und Wichtigkeit für die gesamte Menschheit. „Ich möchte Ihnen dazu meine aufrichtigsten Wünsche für Ihr Wohlergehen und Ihr Glück entbieten“, schrieb der türkische Präsident.

Vorwurf nach Papst-Treffen: „Gülen ist ein geheimer Kardinal“

Die Würdigung des Papstes durch den türkischen Präsidenten und sein Eintreten für den interreligiösen Dialog fand nicht nur Anhänger. In sozialen Medien wurden die positiven Worte Erdoğans für das Oberhaupt der Katholischen Kirche sogar als „scheinheilig“ bezeichnet. Hintergrund dieser Kritik ist das Vorgehen der türkischen Regierung gegen die Hizmet-Bewegung des in den USA lebenden Islamgelehrten Fethullah Gülen, der bereits 1998 im Vatikan mit dem damaligen Papst Johannes Paul II. zusammengetroffen war und mittels dieses Treffens für den interreligiösen Dialog warb.

Aus dem Umfeld Präsident Erdoğans und von zahlreichen religiösen Gruppierungen in der Türkei war Gülen immer wieder für diese Schritte der Verständigung scharf kritisiert worden. Im Zuge der Kampagne der Regierung in Ankara gegen die Hizmet-Bewegung fanden und finden Verschwörungstheorien wie jene, dass Fethullah Gülen den Islam christianisieren wolle oder gar ein „geheimer Kardinal“ des Vatikans sei, bis heute Verbreitung.

„Wenn ich das gesagt hätte…“

Noch im Kommunalwahlkampf des März 2014 hatte Erdoğan persönlich Gülen die „Arm-in-Arm-Bilder mit dem Papst“ zum Vorwurf gemacht.

Auf Twitter äußerte beispielsweise der Nutzer „Emmoglu35“ über die Segenswünsche Erdoğans an den Papst: „Hätte ich das gesagt, hätte man mich als ‚Ungläubigen‘ stigmatisiert.“

Ein weiterer User, docdrziya, twitterte: „Wenn zum Beispiel der GYV [Hizmet-zugehöriger Verband der Journalisten und Schriftsteller] den Papst eingeladen hätte, was würden die Pool-Medien [regierungstreue Medien, die in einem im Dezember 2013 geschaffenen Medienpool zusammengefasst wurden] darüber schreiben?“

bahrul_esrar wiederum äußerte: „Ich habe es erlebt, wie einige Idioten Gülen beleidigt hatten, nachdem er ihn als ‚Papst‘ angesprochen hatte, aber jetzt bleiben sie still, wenn er in der Einladung als ‚Gefäß der Heiligkeit‘ angesprochen wird.“