Papst Franziskus will dem Vernehmen nach noch in diesem Jahr einen Besuch in die Türkei unternehmen und am orthodoxen Patronatsfest Sankt Andreas in Istanbul teilnehmen. Entsprechende Medienberichte seien nicht gegenstandslos, hieß es dazu am Freitag aus römischen Kirchenkreisen. Bereits vor einem Monat hatte es aus dem Patriarchat von Konstantinopel Hinweise auf eine Teilnahme des Papstes an den Feierlichkeiten am 30. November im Phanar, dem Amtssitz des Patriarchen, gegeben (DTJ hatte schon letztes Jahr berichtet). Ursprünglich war als möglicher Termin für den Besuch des Papstes das Andreasfest 2015 genannt worden.

Wie bereits seine Vorgänger Johannes Paul II. im Jahr 1979 und Benedikt XVI. 2006 dürfte auch eine Türkeireise von Franziskus mit einem protokollarischen Besuch in der Hauptstadt Ankara beginnen.

Benedikt XVI. hatte bei seiner dreitägigen Türkeireise zudem einen Abstecher zum Mariengrab bei Ephesus oberhalb der Hafenstadt Izmir unternommen. Damals hatte die Reise nach der Diskussion über die Regensburger Rede des Papstes mit missverständlichen Zitaten zum Thema Islam und Gewalt zu einer Versachlichung beigetragen.

Görmez: „Papst tut nicht genug zur Verteidigung des Islam“

Aktuell sorgen Äußerungen von Mehmet Görmez für Schlagzeilen in der Türkei. Der Leiter des Präsidiums für Religionsangelegenheiten (Diyanet), das neuerdings unmittelbar dem türkischen Regierungschef untersteht, warf Franziskus Mitte der Woche vor, nicht genug zur Verteidigung des Islam zu tun. Es gebe Versuche, die Existenz des Islam in Frage zu stellen und zu einem „Sicherheits- und Legitimationsproblem“ umzudeuten, sagte Görmez.

Unter anderem verwies Görmez auf die nach seiner Darstellung steigende Zahl von Anschlägen auf Moscheen in Deutschland. In den Jahren 2001 bis 2012 seien jährlich im Durchschnitt 22 Moscheen in der Bundesrepublik angegriffen worden. Im Jahr 2013 seien es 36 gewesen, in diesem Jahr sei die Zahl auf 70 gestiegen. Dagegen müsse sich nicht nur die islamische Welt wehren, sondern „alle religiöse Institutionen, allen voran der Vatikan“. Es reiche nicht, „jungen Mädchen die Füße zu waschen oder ein interreligiöses Fußballturnier zu organisieren“.

Damit spielte Görmez auf die Fußwaschung des Papstes am Gründonnerstag sowie auf das „Fußballspiel für den Frieden“ am vergangenen Montag in Rom an. (KNA/dtj)