„Verfassungspatriot und gläubiger Muslim – das ist kein Widerspruch“

„Nach Gesprächen mit Besucherinnen und Besuchern unserer III. Heidelberger Islamwochen habe ich gemerkt, dass es ganz gut war, die Referenten frei wählen zu lassen, ob sie einen wissenschaftlichen oder einen eher spirituelleren Vortrag halten wollen, so wie es bei jenem über das Leben des Propheten Mohammed der Fall war. Das macht das Programm spannender und bunter“, stellt eine Engagierte aus der Muslimischen Studierendengruppe (MSG) der Universität Heidelberg fest. Die MSG hatte die Islamwochen organisiert. „Die Evaluationsbögen werden es noch einmal handfester zeigen, was für die kommenden Jahre noch verbessert werden kann und muss, aber auch, worin die Vorteile in solch einer Vortragsreihe über den Islam bestehen“, fügt sie hinzu.

Das Programm bestand aus vielfältigen, auch zum Teil umstrittenen Themen wie „Das Leben mit der Scharia“ und „Al-Andalus – Geschichte einer muslimisch-europäischen Tradition“. Auf große Resonanz stieß besonders der Vortrag zum Thema „Muslime im säkularen Rechtsstaat“ von Dr. Cefli Ademi, der deutlich machte, dass der Islam grundsätzlich keinen Gegensatz zu den Zielen des säkularen demokratischen Rechtsstaats darstellt.

„Deutsch-europäischen Muslimen [zu denen sich auch Cefli zählt, Anm. d. Red.] wurde der freiheitlich säkulare Rechtsstaat in die Wiege gelegt. Sie sind mithin ein europäisch sozialisierter Teil dieser Staatskultur und leben wie selbstverständlich in und mit ihr; ein entscheidender Umstand, den es immer wieder zu betonen gilt. Der säkulare Rechtsstaat kann im gegenwärtigen Vergleich mit Recht als Erfolgsmodell bezeichnet werden“, betont der Jurist Ademi, der keinen Widerspruch darin sieht, Verfassungspatriot und gleichzeitig gläubiger Muslim zu sein.

Auch Dzeneta Murtaja, die Noch-Vorstandsvorsitzende der MSG, zog ein positives Fazit. Die Vorträge habe sie als sehr lehrreich empfunden, und zwar sowohl für Muslime als auch für Nichtmuslime. „Im Rahmen der anschließenden Diskussionsrunden habe ich festgestellt, dass es einen enormen Kommunikationsbedarf zwischen Muslimen und Nichtmuslimen, aber auch zwischen Muslimen und „den anderen“ Muslimen gibt.“ Daran will die MSG spätestens bei den vierten Heidelberger Islamwochen anknüpfen, die möglicherweise schon im nächsten Jahr stattfinden werden.