Vergiftung bewiesen, Mord nicht?

Der lange erwartete Endbericht des Rates für Forensische Medizin (ATK) ist da – und darin wird bestätigt, dass giftige Substanzen in den sterblichen Überresten des achten Staatspräsidenten der Türkei, Turgut Özal, gefunden worden seien, die 19 Jahre nach seinem Tod einer neuerlichen Untersuchung unterzogen worden waren.

Im Bericht wurde aber keine definitive Aussage darüber getroffen, ob der Präsident wirklich vergiftet worden wäre. Die Mitglieder der Untersuchungskommission wären zu keiner einstimmigen Entscheidung hinsichtlich der Frage gekommen, ob das Gift die tatsächlich ausschlaggebende Ursache für den Tod war.

Der Bericht wird der Staatsanwaltschaft in Ankara übersandt, die seit Wiederaufnahme der Untersuchung die Ermittlungen leitet.

ATK-Präsident Haluk Ince wies am Dienstagabend dem Fernsehsender NTV gegenüber Darstellungen zurück, etwas anderes als Gift könnte die Ursache für Özals Tod gewesen sein. Nach der Veröffentlichung des Berichts hatten einige Kommentatoren behauptet, der Bericht hätte bewiesen, Özal wäre nicht vergiftet worden.

Die medizinischen Experten von ATK hatten lediglich zum Ausdruck gebracht, dass sie sich nicht in der Lage sehen würden, jedwede andere Todesursache als eine Vergiftung auszuschließen. Die giftigen Substanzen wären entdeckt worden (DTJ berichtete), aber die Experten könnten den Kausalitäts- und Adäquanzzusammenhang mit dem Tod Özals nicht mit vollständiger Gewissheit nachweisen.

Die neuerliche Untersuchung des verdächtigen Todes des Reformers war zu einem früheren Zeitpunkt des Jahres veranlasst worden, nachdem eine Reihe von Zeugen ungewöhnliche Todesumstände angesprochen hatte, die sich am Tag seines Ablebens summiert hätten (DTJ berichtete). Die Oberste Staatsanwaltschaft in Ankara hatte eine Exhumierung des Leichnams zum Zwecke einer toxikologischen Untersuchung angeordnet.

Präsident Özal starb im April 1993 in einem Krankenhaus in Ankara angeblich an Herzversagen. Er war damals 65 Jahre alt und noch im Amt.

Zwei Monate vor seinem Tod hatte Turgut Özal einen ausführlichen Gesundheitscheck im Methodisten-Krankenhaus von Houston/Texas (USA) durchführen lassen. Die Klinik bescheinigte ihm in diesem Zusammenhang, sein Herz wäre intakt.