Verschwindet kreuz.net jetzt in der ewigen Daten-Hölle?

Seit Sonntagvormittag ist das berüchtigte Internetportal kreuz.net nicht mehr zu erreichen – und es hat offenbar nichts mit christlicher Sonntagsheiligung zu tun.

2004 war das Portal ans Netz gegangen. Von Beginn an fanden sich auf der nach eigenen Angaben „katholischen Nachrichtenseite“ derartig hasserfüllte und zum Teil so skurril anmutende Beiträge, dass nicht wenige Beobachter zunächst der Meinung waren, es handele sich dabei um eine böswillige Parodie, hinter der Kirchengegner stecken müssten.

Würdenträger der katholischen Kirche und Nachrichtenportale wie kath.net, das sich immer wieder zu Unrecht in die Nähe der anonym betriebenen kreuz.net-Seite gerückt sah, distanzierten sich regelmäßig von den Inhalten der Seite, die in extrem aggressiver Diktion und nicht selten mit äußerster Menschenverachtung gegen Andersgläubige und Homosexuelle agitierte. Dennoch erschien es bemerkenswert, dass kreuz.net nicht selten Insiderinformationen über innerkirchliche Angelegenheiten vor allen anderen publizierte, die nur aus Kreisen stammen konnten, die direkt an der Quelle saßen.

Es war bereits mehrfach zu Anzeigen gegen die anonymen Betreiber des Portals wegen des Verdachts auf Volksverhetzung gekommen, die Ermittlungen verliefen jedoch immer wieder im Sande.

Funktionäre von Pro-Bewegung und BZÖ mit Beiträgen vertreten

Nachdem das Portal vor einigen Wochen mit unverhohlener Freude auf den Tod des im Alter von 51 Jahren verstorbenen, homosexuellen Entertainers Dirk Bach reagiert hatte, kam allerdings Bewegung in die Sache. Der Verleger Bruno Gmünder hatte als Reaktion auf diesen besonders widerlichen Beitrag eine Belohnung von € 15.000 für sachdienliche Hinweise ausgelobt, die zur Ermittlung und strafrechtlichen Verfolgung der Hintermänner führen würden.

Mittlerweile wurden einige zeitweilige Autoren enttarnt, nach Angaben des „Spiegel“ sollen sich mindestens zwei Dutzend Autoren mit kirchlichem Hintergrund auf dem Portal aktiv betätigt haben, darunter Priester, Kirchenangestellte und mindestens ein Religionslehrer.

Bemerkenswert sind aber auch die Verbindungen des Portals zu rechtsextremen Parteien des deutschsprachigen Raumes. So fanden sich unter den Autoren unter anderem der Vorsitzende der „Bürgerbewegung Pro NRW“, Markus Beisicht und die Kölner Stadträtin Regina Wilden (Pro Köln). Beisicht bestreitet allerdings, über die Veröffentlichung unter seinem Namen informiert gewesen zu sein. Auch der islamophobe österreichische Europaabgeordnete Ewald Stadler (BZÖ) war mit einem Beitrag auf kreuz.net vertreten.

Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Volksverhetzung mit Hochdruck gegen die Betreiber der Internetseite. Bislang erwies sich diese allerdings als schwierig, da die Seite auf den Bahamas registriert wurde.