ARCHIV - In einer Halle der Neuen Messe Karlsruhe (Baden-Württemberg) versammeln sich am 10.05.2015 Anhänger des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan und schwenken dabei türkische Nationalflaggen. Ein großer Teil der bis Ende 2015 aus Deutschland in Richtung der Kriegsgebiete der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ausgereisten Islamisten hat einen türkischen Hintergrund. Foto: Ronald Wittek/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Laut einer Umfrage der UETD in Österreich (Union europäisch-türkischer Demokraten) würden 53,5 Prozent der Austrotürken, wie die türkischstämmigen Österreicher genannt werden, sofort das Land verlassen.

Weitere 39,8 Prozent wollen ein finanzielles Angebot des Staates: So würden 43,8 Prozent davon Österreich verlassen, wenn sie 100.000 Euro bezahlt bekommen. 16,6 % würden sich mit 50.000 Euro und 27,6 % sich mit einer Summe zwischen 10.000 und 20.000 Euro zufrieden geben. Ein weiteres Drittel würde hingegen ein individuelles Angebot aushandeln wollen.

Auf die Frage, wo sie am liebsten leben würde, gaben 88,8 Prozent der Befragten die Türkei als Antwort an.

Als Gründe für ihre Unzufriedenheit nannten 84,5 Prozent die zunehmende Islamfeindlichkeit in Österreich. Weitere 42,7 Prozent gaben an, mittlerweile nicht mehr in Österreich leben zu wollen.

Nur 2,4 Prozent beschrieben ihre Situation als „sehr gut“. An der Umfrage nahmen 1270 Austrotürken teil.

Die UETD steht der türkischen Regierungspartei AKP nahe und hatte zuvor in Österreich für mehrere Demonstrationen gegen den gescheiterten Putschversuch und die Terroranschläge in der Türkei bis zu zehntausend Menschen mobilisiert.

Seit Wochen gibt es diplomatische Verstimmungen zwischen Wien und Ankara. Nach dem gescheiterten Putschversuch und den damit einhergehenden Säuberungswellen durch den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan sprach sich Bundeskanzler Christian Kern für einen Abbruch der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei aus. Der österreichische Außenminister Sebastian Kurz ging noch einen Schritt weiter. Wer sich in der türkischen Innenpolitik engagieren wolle, dem stehe es frei, „unser Land zu verlassen“.

Die Antwort aus Ankara ließ nicht lange auf sich warten. Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu bezeichnete Österreich als einen „Hort des Rassismus“.

Außerdem sorgte eine Werbung am Wiener Flughafen mit der Aufschrift: “Mit Türkei-Urlaub unterstützt man nur Erdoğan” für Empörung unter den Türken. Zuletzt mussten aufgrund der politischen Situation österreichische Archäologen ihre Arbeiten in der antiken türkischen Stadt Ephesos auf Druck des türkischen Innenministeriums frühzeitig beenden.