Sven Latteyer heißt der Busfahrer aus Erlangen, der Claus Kleber im ZDF heute journal beinahe zum Weinen brachte. Seine spontane und herzliche Begrüßung für eine Gruppe junger Migranten zieht deutschlandweit Kreise. Sein Beispiel wird gar gefeiert als Beweis dafür, dass Deutschland nun die Nazi-Zeit endgültig überwunden habe. Es ist gut, dass darüber berichtet wird und nicht nur den Pegidisten von Dresden und Freital Raum gegeben wird. Denn Beispiele bieten immer Modelle an und erzeugen ihre Nachahmer.

Nun könnte Busfahrer Latteyer auch für etwas anderes stehen, etwas größeres: eine Entwicklung. Denn auf Facebook likte er noch im November 2013 einen rechtslastigen Post, der sinngemäß „Deutschland den Deutschen!“ forderte und für den Beibehalt deutscher Kultur in Form von Weihnachtsfeiern und Ostereiern plädierte. Derlei Postings sind normalerweise Merkmal der Islamhasser-Szene, die im Netz ihren festen Platz hat. Die jungen Männer, die Latteyer in seinem Bus und in Deutschland willkommen hieß, ließen ihn die alten Reflexe vergessen. Es scheint ihm gelungen zu sein, die Schicksale hinter der Angstmache vor angeblicher Überfremdung und Islamisierung zu sehen.

Der Fall des Porsche-Azubis in Österreich

Diese Möglichkeit wird einem jungen KfZ-Azubi in Österreich erschwert. Sein Hasspost unter der Berichterstattung über ein sich freuendes Flüchtlingsmädchen nach einer freundlichen Geste durch die örtliche Feuerwehr in Vorarlberg führte zur sofortigen Kündigung seiner Lehrstelle bei Porsche. Bei aller Berechtigung, dass solche Kommentare nicht ignoriert werden dürfen – in dem Fall hätte man mit dem jungen Mann ein Gespräch beginnen und sich ein Bild von ihm machen müssen. Er hat sich dafür entschuldigt, will mit Menschen in einem Asylheim Kontakt aufnehmen und eine Chance zur weiteren Korrektur mit weiterer Ausbildungsmöglichkeit wäre vielleicht konstruktiver und nachhaltiger gewesen, um ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen.

Aber Porsche hat den schnellen Weg mit selbstrehabilitierendem Effekt gewählt. Statt einer Abmahnung setzte es gleich die öffentlichkeitswirksame Kündigung. Vielleicht weil man es besonders nötig hatte? Sollte Porsche je ein Imageproblem mit Alltagsrassismus und Mobbing gehabt haben, so ist dieses nun vom Tisch, nachdem der Sprecher der Holding den klaren Satz veröffentlichte: „Wir lehnen jegliche Art der Diskriminierung strikt ab.“

Imagegewinn im Schatten früherer Vorfälle

Auch das ZDF heute journal kann mit der besagten Kleber-Geste einen Imagegewinn verzeichnen. Vergessen sollten wir aber nicht, dass das heute journal immer wieder Rechtspopulisten Raum gibt, der anderen verwehrt bleibt. So läuft immer noch die Programmbeschwerde der Publikumsratsinitiative gegen eine Sendung im Januar 2015, wo Karl Michael Merkle zu Wort kam – allerdings unter seinem Pseudonym Michael Mannheimer. Dem vorbestraften Mannheimer/Merkle wurde als Pegida-Aktivist unkommentierte O-Töne gewährt, seine langjährigen islamophoben Aktivitäten blieben ausgeblendet. Und die Problematik der Verfassungsfeindlichkeit weiterer interviewter Akteure blieb ebenfalls gänzlich unerwähnt.

Hierfür hat sich das ZDF weder entschuldigt, noch wurde jemand entlassen.