Das neue zweisprachige Online-Medium der regimekritischen türkischen Journalisten Can Dündar und Hayko Bağdat ist in der Türkei gesperrt worden. „Özgürüz“ („Wir sind frei“) sei durch die Behörde für Informationstechnologie (BTK) geblockt worden, hieß es am Freitag in einer Mitteilung, die anstatt der Webseite des Mediums erschien. Dabei bezieht sich die Behörde nach eigenen Angaben auf ein Gesetz, das den Zugang zu als gefährlich eingestuften Webseiten regelt.

Das Projekt mit Texten auf Deutsch und Türkisch hatten Dündar und Bağdat zusammen mit dem gemeinnützigen Recherchezentrum Correctiv am Dienstag in Berlin gestartet. Es soll nach Angaben der Initiatoren unter anderem über die Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und die Korruption in der Türkei berichten. „Wir wollen die Menschen in der Türkei informieren und die Menschen in Deutschland über die Verhältnisse aufklären“, so Dündar. Bereits damals gab er sich gewiss, dass die türkische Regierung versuchen werden, den Zugang zu der Seite zu erschweren. “Wir können zwar frei veröffentlichen, aber wir sind uns nicht sicher, dass wir unser Publikum erreichen werden, weil die türkische Regierung alles unternehmen wird, um uns zu blockieren, zu stoppen”, so Dündar.

Bereits am Donnerstag twitterte „Özgürüz“, die in der Türkei geplante Sperrung „beeindruckt uns wenig!“. Seit langem geht die türkische Regierung massiv gegen kritische Journalisten vor, nach dem Putschversuch hat sich das noch einmal verschärft. Mittlerweile gilt die Medienlandschaft in der Türkei als gleichgeschaltet. In keinem Land der Welt sitzen so viele Journalisten im Gefängnis wie in der Türkei. Dündar, Ex-Chefredakteur der Tageszeitung Cumhuriyet, war im vergangenen Mai in der Türkei zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft wegen Geheimnisverrats verurteilt worden. Er legte Revision ein und lebt seit Monaten im Exil in Deutschland. (dpa/dtj)