Vural Öger ist pleite. Auf der Homepage seines Unternehmens Vural Öger Travel wurde am Mittwoch die Insolvenz bekanntgegeben. Die V.Ö.T. Travel GmbH könne mit sofortiger Wirkung keine Reisebuchungen mehr annehmen und müsse den Betrieb noch vor dem Jahreswechsel auch einstellen. Die von den Reisenden bereits geleisteten Zahlungen für Reisen im neuen Jahr würden „entsprechend der gesetzlichen Verpflichtungen“ erstattet werden. Der heute 73 Jahre alte Vural Öger hatte V.Ö. Travel erst vor anderthalb Jahren gegründet.

Öger, der 1960 als Student nach Berlin kam, gründete schon 1969 sein erstes Reisebüro. Dieses trug den Namen „Istanbul“ und verband als erstes Reisebüro seiner Art mit seinen Charterflügen die türkischen Gastarbeiter von Hamburg aus direkt mit der Türkei. Für umgerechnet 400 Euro nahmen tausende türkische Zuwanderer das Angebot damals in Anspruch. Schon nach drei Tagen war die erste Maschine mit 114 Passagieren ausverkauft.

Mit den Jahren, als sich die Frequenz der Flüge stetig erhöhte, gründete er 1972 die Öger Türk Tur GmbH, die sich auf diese Charterflüge spezialisierte. Sein Unternehmen wuchs immer weiter, sodass Öger dann sein Engagement auf Hotelketten ausweitete.

2010 entschied er, sich aus der Branche zurückzuziehen und verkaufte das Unternehmen an Thomas Cook. 2014 feierte er ein überraschendes Comeback, er habe „den Kick“, argumentierte er. Doch die schlechte Situation in der Reisebranche konnte auch er nicht ändern. Dem Hamburger Abendblatt sagte er: „In der Branche herrscht ein ruinöser Preiskampf. Ich habe in den vergangenen zwei Jahren jedes V.Ö. Travel-Flugticket mit 60 bis 70 Euro subventioniert. Das kann man nicht lange durchhalten. Während wir um die 270 Euro für ein Ticket bezahlen müssen, können die großen Konzerne wegen ihrer Marktmacht die Preise drücken.“ Ganz untätig wird Öger nicht sein. „Vural Öger Investment GmbH“ wird weiter bestehen. Damit unterstützt der Geschäftsmann Unternehmen mit Investitionsberatung.

Doch die Insolvenz habe nicht nur mit dem Markt zu tun. „Der Abschuss des russischen Flugzeugs hat das Geschäft dann endgültig ruiniert. Der Konflikt zwischen Putin und Erdoğan hat viele touristische Opfer verursacht: Der gesamte Tourismus im Raum Antalya leidet an den Folgen“, wird Öger weiter zitiert.