Zehntausende irakische Christen sind vor den Repressalien der Terrororganisation IS aus ihrer Heimat geflohen. Der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, verurteilt die Vertreibung der irakischen Christen als unislamisch.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, sieht die geplanten Waffenlieferungen in den Irak kritisch. Am Beispiel Syrien sei zu sehen, wie solche Waffen in falsche Hände gelangen könnten, sagte er am Donnerstag dem Südwestrundfunk. Die Aufrüstung der Kurden könne nur Ultima Ratio sein; Vorrang müsse die humanitäre Hilfe haben.

Der Vorsitzende hielt in diesem Zusammenhang der Bundesregierung und dem Westen vor, bei der Katastrophe in Syrien weggeschaut zu haben. Dort habe sich die Terrororganisation „Islamischer Staat” aufgebaut, dort hätten die Menschen vergeblich um Hilfe gebeten. „Wäre das nicht passiert, wäre die Situation im Irak heute eine andere”, sagte er. Mazyek äußerte sich auch kritisch zu den Kurden. Gestern sei die PKK eine Terrororganisation gewesen, heute werde sie als Befreiungsorganisation gesehen, das gehe ihm zu schnell.

Im „Münchner Merkur” verurteilte Mazyek die Gewalt der Terrormiliz „IS”. Schandtaten von Barbaren und marodierenden Banden hätten mit dem Islam, dem Koran und der muslimischen Lebensweise nichts zu tun, sagte er. Vor allem in Deutschland müsse man deshalb dafür sorgen, dass der Funke der Gewalt aus Krisengebieten nicht überspringe. Das erfordere den Zusammenhalt aller Religionsgemeinschaften. Wenn ein Gotteshaus angegriffen werde, mache es keinen Unterschied, ob es eine Moschee, eine Synagoge oder eine Kirche sei, erklärte Mazyek. Zugleich rief er die in der Bundesrepublik lebenden Muslime auf, sich in dieser Frage deutlich zu positionieren. „Wir müssen raus aus dem Schneckenhaus und uns deutlich positionieren. Ein deutscher Muslim muss und sollte nicht nur für Gaza und den Frieden demonstrieren, so richtig dies auch ist. Er muss es auch für Menschen tun, die fälschlich im Namen des Islams leiden, und ihnen seine Solidarität zeigen.”

Auch in der deutschen Gesellschaft ist die Skepsis gegenüber möglichen Waffenlieferungen an die kurdische Regierung im Nordirak groß. Nach Auffassung des Zentralrats der Jesiden braucht die Bundesrepublik keine Waffen in den Irak zu liefern. (KNA/dtj/dpa)