epa05323750 A TV shows the temporary results during a TV interview of Norbert Hofer of far right-wing Austrian Freedom Party (FPOe) and Independent presidential candidate Alexander Van der Bellen, supported by the Green Party, (both seen on screen) on the Austrian presidential elections run-off in Vienna, Austria, 22 May 2016. EPA/CHRISTIAN BRUNA +++(c) dpa - Bildfunk+++

Aus Wien berichtet Bilal Baltacı

Der zweite Wahlgang der österreichischen Bundespräsidenten-Wahl erhitzt weiterhin die Gemüter. 140.000 Stimmen liegen zwischen dem rechtspopulistischen Norbert Hofer und dem linksliberalen Alexander Van der Bellen. Es sind für diese Wahl 885.437 Wahlkarten beantragt worden und diese werden am Montag einen der beiden Kandidaten in die Hofburg bringen.

Im Palais Auersberg im ersten Bezirk der Hauptstadt Wien ist die Stimmung euphorisch. Die Anhänger des unabhängigen Bundespräsidenten-Kandidaten Alexander Van der Bellen applaudieren jedes Mal, wenn sie ihren „Sascha“ auf den Bildschirmen sehen. Die Atmosphäre auf der anderen Seite muss genauso sein. Der Bundespräsidenten-Kandidat der rechtspopulistischen Partei FPÖ, Norbert Hofer, wollte den Abend mit seinen Kindern verbringen, sagte er in einem Interview kurz nach der ersten Hochrechnung, in der er knapp vorne lag. Nach knapp einer Stunde änderte sich die Lage geändert und Van der Bellen holte auf.

Endergebnis erst am Montagnachmittag

Am Ende des Abends wusste man immer noch nicht, wer der neue Bundespräsident ist, weil noch über 800.000 Wahlkarten nicht ausgezählt waren. Laut Innenministerium wird man erst am Montag wissen, wer dem Sozialdemokraten Heinz Fischer in der Hofburg folgt. Es war bestimmt die spannendste Bundespräsidentenwahl in der Geschichte des Landes. Nicht nur wegen der sechs Kandidaten, die zur Wahl standen, sondern auch wegen der möglichen Folgen des Ergebnisses. Viele erwarteten im Vorfeld eine Quittung für die Arbeit der Bundesregierung und so kam es dann auch. Im ersten Wahlgang kamen die Regierungsparteien zusammen auf nur 22 Prozent, was zum Rücktritt des Bundeskanzlers führte.

Neue Richtung für das Land

Eines ist jetzt schon klar: In Österreich wird nichts mehr so sein wie vor diesen Wahlen. Seit 1945 waren es immer die Kandidaten der SPÖ und ÖVP, die es in die Hofburg schafften. Am Montag wird erstmals kein Rot-Schwarzer ins Amt des Bundespräsidenten gewählt. Viele erwarten im Falle eines Bundespräsidenten Norbert Hofer Neuwahlen. Aber die Regierungsparteien werden es auch mit einem Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen nicht leicht haben. Viele Experten sehen diese Wahl richtungsbestimmend für Österreich, aber auch für Europa.