Es war das Jahr 711, als Spanien begann, islamisch und zu al-Andalus zu werden. Nur knapp 70 Jahre später wurde mit dem Bau der wohl wichtigsten Moschee der islamischen Zeit in Spanien begonnen. Doch was als einstige „Mezquita“ (Moschee) bekannt war, ist heute  „die Kathedrale von Córdoba“. Es ist eine Kathedrale inmitten einer Moschee, ihretwegen wurden 63 Säulen entfernt. Auf den Broschüren am Eingang ist kaum noch etwas von „Moschee“ zu lesen.

Es ist das bedeutendste Bauwerk der Stadt, die einst für den Austausch und den Dialog im muslimischen Andalusien bekannt war. Juden, Christen und Muslime lebten hier friedlich zusammen. Córdoba, das im Mittelalter eines der kultivierstesten Zentren Europas war, wurde mit der „Reconquista“ von den Christen zurückerobert. Die Kathedrale in der Moschee sollte das versinnbildlichen.

Seit einiger Zeit versucht der Erzbischof von Córdoba sich als alleiniger Eigentümer der Mezquita auszugeben. Er versucht, die islamische Identität des Bauwerkes zu unterdrücken. Die Kathedrale, einst als Mezquita oder „Moschee-Kathedrale“ bekannt, heißt seit einigen Jahren nur noch „Kathedrale von Córdoba“. Historiker sind empört. Salma Al-Faruki, die Betreiberin des Wohnhauses „Casa Andalusi“, beklagt sich über den Streit um die Moschee. „Was der Bischof macht, ist das Gegenteil von den Lehren Jesu Christi“, wird Faruki in der Neuen Zürcher Zeitung zitiert.

Die Frage ist, wie sich Spanien heute versteht – als Nation mit einem gemischten kulturellen Erbe, das maßgeblich von der islamisch-maurischen Zivilisation mitgeformt wurde? Oder als eine christliche Nation, fest verankert in Europa, wonach die islamische Eroberung im Jahr 711 ein feindlicher Eingriff war? (weiterlesen auf NZZ)