Was glaubst du denn? – Muslime in Deutschland

Wie sieht der Alltag von Muslimen in Deutschland aus? Oft nicht anders als christlicher, jüdischer oder konfessionsloser Menschen – und natürlich bei jedem ganz unterschiedlich.

Mit diesem Thema befasst sich seit gestern eine Ausstellung, die in der Otto-Hahn-Schule in Berlin-Neukölln präsentiert wurde. Die in Anlehnung an die Deutsche Islamkonferenz vom Bundesinnenministerium angeregte Schau wurde von der Bundeszentrale für politische Bildung realisiert und richtet sich vor allem an Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe 1.

Die Präsentation gliedert sich in drei große Abteilungen: „Menschen“, „Wissen“ und „Vorstellungen“. Im Zentrum der ersten Abteilung „Menschen“ stehen sieben junge Muslime und Muslimas, die sich selbst vorstellen und über sich reflektieren: über Familie und Heimat, Liebe und Zukunft, Religion und Freundschaft, Politik und Sport, Leidenschaft und Mode, Musik und Identität.

Gerichtet an Muslime und Nichtmuslime gleichermaßen

Videoporträts, Comics und Animationsfilme stellen junge Muslime vor und konfrontieren Betrachter mit eigenen (möglichen) Vorannahmen. Kann man sehen, wer Muslim ist? Die Künstlerin Seren Başoğul hat 30 Personen porträtiert, die in kurzen Statements darüber Auskunft geben, was ihnen im Leben wichtig ist. Religion und Religiosität erscheinen hier, wie generell in der Ausstellung, nur als eine von vielen Facetten der Identität. Ihr zweites Exponat führt vor Augen, wie unsere Wahrnehmung von Frauen mit deren Kopfbedeckungen variieren kann.

Başoğul, die bei der Eröffnung anwesend war und dem DTJ für ein Statement zur Verfügung stand, fielen vor allem die Antworten auf, die die von ihr fotografierten Menschen auf die Frage, was ihnen persönlich am wichtigsten sei, gaben: „Ganz gleich, welcher Religion sie angehören, die Menschen setzen die gleichen Schwerpunkte, Familie kommt bei den allermeisten an erster Stelle.“

Die zweite Abteilung „Wissen“ führt mit Animationsfilmen von Stefan Matlik und interaktiven Installationen in zentrale Themen ein – von der Frage, was eigentlich Religion ist, über die Beschäftigung mit der Vielfalt islamischer Positionen bis zur Auseinandersetzung mit Muslimfeindlichkeit und religiösem Extremismus. An einer interaktiven Geschichtswand, die im Internet stetig erweitert wird, können Gruppen wie Einzelbesucher ihre Perspektiven auf die jüngere Geschichte diskutieren und hinterlassen.

Die letzte Abteilung, „Vorstellungen“, beschäftigt sich mit den Vorstellungen, die wir uns permanent voneinander machen – nicht nur Nichtmuslime von Muslimen und vice versa, sondern auch Nichtmuslime von Nichtmuslimen, Muslime von Muslimen, kurz: alle von allen. Fünf Comics der Zeichnerin tuffix (Soufeina Hamed) zeigen, wie solche Vorstellungen das Handeln prägen – und führen zur Frage, welche Alternativen denkbar sind.

Schüler werden ausgebildet, um andere Schüler durch die Ausstellung zu führen

Die Ausstellung lädt zur Betrachtung ein, vor allem aber zur aktiven Aneignung. Einen zentralen Baustein der Vermittlung bildet ein Peer Education Programm. Geleitet von Larissa Weber (Anne Frank Haus), begleitet von Jochen Müller (ufuq.de) werden Peer Trainer ausgebildet, die ihrerseits an den einzelnen Tour-Stationen Schüler und Schülerinnen dafür ausbilden, Gruppen durch die Ausstellung zu führen. So werden Schüler von Schülern geführt und kommen direkt miteinander ins Gespräch – auf Augenhöhe.

Die Ausstellung soll in den kommenden zwei Jahren durch Schulen in ganz Deutschland wandern. Es ist auch möglich, sie „auszuleihen“ (-> zum Kontaktformular). Die wünschenswerte Standzeit beträgt mindestens vier Wochen.