Sie sind die Furcht vieler Europäer. Viele Länder der EU möchten sie nicht aufnehmen. Die EU, die bisher Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte hochgehalten hat, forciert mit einer Türkei die Beitrittsverhandlungen, die Rechtsstaatlichkeit mit den Füßen tritt. Aber dafür, dass die Flüchtlinge von Europa ferngehalten werden, scheint der die eigene Glaubwürdigkeit ein annehmbarer Preis zu sein.

Dabei erleben die betroffenen Menschen eine humanitäre Katastrophe. Familien werden auseinandergerissen, viele machen sich auf eine ungewisse Zukunft auf, nehmen den Tod in Kauf. Dabei verlieren auch viele ihr Leben. So hat die Türkei an bekannten Flüchtlingsrouten wie Bodrum (Muğla), Çeşme (Izmir) oder Küçükkuyu (Çanakkale) die Kontrollen verschärft. Die Folge: Flüchtlinge weichen auf andere Routen aus.

Jeden Tag stechen 500 zur See

Bei Dikili in Izmir setzen jeden Tag um die 500 Flüchtlinge mit Schlauchbooten ins Meer mit dem Ziel, auf die nahegelegene griechische Insel Lesbos zu gelangen. Dabei machen viele Flüchtlinge eine humanitäre katastrophe durch. Zuletzt wurde in Dikili der Zopf eines 10jährigen afghanischen Mädchens gefunden, der mit farbigen Bänden zusammengebunden war. Die Familie hatte die Haare des Mädchens abgeschnitten, damit sie bie einem eventuellen Problem keine unnötige Last bilden.

Ein anderes Mädchen wollte mit ihrem Onkel auf die griechische Inseln gelangen. Ihre Eltern setzten mit einem anderen Schlauchboot rüber, auf dem für das Mädchen kein Platz war. Doch das Schlauchboot des Mädchens wurde vonn der türkischen Gendarmerie festgehalten. Nun wartet das Mädchen angelehnt auf einen Wagen auf eine ungewisse Zukunft, in der einen Hand die Tasche ihrer Mutter, in der anderen die Babyflasche ihrer Schwester. Ob die Familie je wieder zusammenkommt? Ungewiss.

Zopf eines Flüchtlingsmädchens

Zopf eines Flüchtlingsmädchens