In einem Artikel über eine Gegend in Witten schreibt WAZ Redakteur Jürgen Augstein-Peschel seine persönlichen Beobachtungen und Eindrücke auf. Doch der Artikel löst eine Welle der Empörung in den sozialen Medien aus. Von einer Geringschätzung ist die Rede, aber auch Fremdenfeindlichkeit wird dem Redakteur unterstellt. 

Das hat der zuständige Redakteur sicher nicht erwartet: Was ein einfacher Lokalbeitrag sein sollte, sorgte für große Empörung. „Ich beende mein Abo“, oder „WAZ direkt abbestellen“ schrieben Leser in der Kommentarspalte des Artikels auf Facebook und drückten damit ihren großen Ärger über den Inhalt und vor allem über die Wortwahl des Redakteurs aus.

Der leitende Redakteur der WAZ Redaktion in Witten, Jürgen Augstein-Peschel betitelte seinen Artikel über ein Bezirk in Witten mit „Bosporus erobert endgültig untere Bahnhofstraße in Witten“. Die Bilder, die mit diesem Titel suggeriert werden, sind aus früheren Artikeln der Bild-Zeitung oder des Express bekannt. Selbst in diesen Boulevard-Zeitungen wird mittlerweile des öfteren ein höheres Maß an Sensibilität und Fingerspitzengefühl an den Tag gelegt, ohne diese beiden Meinungsblätter auch nur annähernd loben zu wollen. Doch dieser Vergleich ist nötig, um den verfehlten Charakter des Beitrags, die der WAZ-Redakteur natürlich nicht alleine zu verantworten hat, vor die Augen zu führen. Eine Redaktion hat verschiedene Abläufe und Prozesse. Wenn jemand einen Artikel schreibt und dass kann auch der leitende Redakteur einer Redaktion sein, gibt es immer Leute, die drüber lesen, bevor es veröffentlicht wird. Heute gibt es auch die Online-Redakteure, die sich der anspruchsvollen Aufgabe widmen, einen Beitrag in den sozialen Netzen zu moderieren. Insofern kann es nicht sein, dass für diesen Beitrag nur der Autor verantwortlich gemacht wird. Spätestens die Onliner hätte merken müssen, dass bei diesem Artikel eine Geringschätzung der Türken, Syrer und im allgemeinen Menschen aus dem Orient zu hören ist.

Hier einige problematische Stellen in Jürgen Augstein-Peschels Artikel. Wenn der Autor im Titel von einer endgültigen Eroberung einer deutschen Stadt durch die Menschen vom Bosporus spricht, löst das Besorgnis bei den bereits sehr besorgten Bürgern aus, ihr Abendland würde bald durch den muslimischen Türken und auch noch durch die muslimischen Syrer, die im Zuge der Flüchtlingswelle nach Deutschland gekommen sind, „endgültig“ erobert werden. Dumm nur, dass man zumindest die Türken durch des Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei selbst eingeladen hatte.

In einem weiteren Satz spricht der Redakteur von „nie gekanntem Ansturm türkischer Menschen“. Ansturm. Dieser Begriff erinnert an „Welle“, bzw. die Flüchtlingswelle, die in Deutschland zu einem historischen Umdenken in der Politik geführt hat. Der Erfolg dieses Umdenkens ist, dass die Alternative für Deutschland (AfD) mittlerweile ein ernstzunehmender Faktor bei jeder politischen Wahl geworden ist und auch die im Herbst bevorstehende Bundestagswahl bedroht.

Über das Bild, viele Türken in der unteren Bahnhofstraße in Witten zu sehen, wundert sich der Redakteur und reibt sich verwundert die Augen, denn das schreibt er in seinem Artikel. Als würden die Türken nicht schon längst selbstverständlich zu der vielfältigen Bevölkerung von Deutschland, geschweige denn vom Ruhrgebiet dazu gehören. Dann auch noch mit Kopftuch. „OMG!“ „… Frauen mit Kopftüchern rangelten um Einkaufswagen. Bis heute erlebt der Laden einen Ansturm, gerade samstags, als gäbe es kein Morgen.“ Diese Szene, die der Redakteur hier abbildet, ist genau der Alptraum, den viele besorgte Bürger haben. Also denke ich, dass sich vielleicht der ein oder andere Leser mit Rechtsruck möglicherweise doch über einen solchen Artikel gefreut hat.

Zahlreiche Facebook-Nutzer haben sich aber über Jürgen Augstein-Peschel empört. So beispielsweise, tut ein Facebook Nutzer seine Meinung über diesen Artikel kund: „Das der Printbereich der Funke-Gruppe/WAZ etc. im freien Fall ist , liegt vlt. nicht an den „neuen“ Medien, sondern an dem Gossenniveau/Sprache der Inhalt-Schaffenden! Wenn man ein persönliches Problem mit Steuer-zahlenden Geschäftsbetreibern hat, kann man ja die leerstehenden Geschäfte selber anmieten und erfogreich betreiben, dazu braucht es aber mehr als einer Tastatur mit miefenden, braunen Buchstaben, „Herr“ Jürgen Augstein-Peschel ……Unterirdischer Schreibstil“.

In einem weiteren Kommentar schreibt ein anderer Nutzer: „Beitrag der @WAZ_Redaktion zur Integration, bei dem es mich graust vorm Vokabular der Geringschätzung und Xenophobie“.

Immerhin räumt Augstein-Peschel am Ende seines Beitrages ein, dass die neuen türkischen Läden auf der unteren Bahnhofstraße schon etwas positives haben. „Immerhin gelang es, Spielhallen und Wettbüros zu verdrängen“ schreibt er gegen Ende seines Beitrags für die WAZ. Also sind die Türken und Syrer das mildere Übel. Toll.

Ich wollte mit Jürgen Augstein-Peschel über seinen skandalösen Beitrag reden, aber konnte ihn nicht erreichen.