Weihnachtlich geschmückt ist am 20.12.2014 ein Einkaufszentrum in Berlin. Das Weihnachtsgeschäft im Handel läuft auf Hochtouren. Last-Minute-Geschenkekäufer sorgen in den wenigen verbleibenden Tagen bis Weihnachten für Betrieb in den Geschäften.

Und wieder einmal ist ein Jahr herum und Weihnachten steht vor der Tür. Bereits in den vergangenen Wochen war die Stimmung zu spüren; es wurden die verschiedensten Geschenke gekauft, die letzten Lebensmittel-Einkäufe erledigt und Tickets gebucht. Trotz des ganzen Stresses ist Weihnachten immer mit viel Freude verbunden. Und wer eine kleine Aufmunterung gebraucht hatte, konnte bereits seit August Weihnachtsgebäck kaufen, um die Zeit bis Weihnachten mit kleinen Genüssen zu überbrücken.

Obwohl ich Weihnachten selber nicht feiere, liebe ich diese Zeit… jedenfalls war das so bis zum letzten Jahr. In diesem Jahr wünschte ich mir, dass alles schnell vorbei ist. Ich glaube, weil ich mich ausgeschlossen fühlte…

Als Tochter von Einwanderern, die in Berlin geboren und aufgewachsen ist, war Weihnachten seit 24 Jahren Bestandteil meines Lebens. Als ich ein kleines Kind war, fragte ich meine Eltern, warum wir denn nicht auch Weihnachten feiern würden. Sie antworteten mir, dass es nicht unser Fest sei und wir unsere eigenen Feste hätten. Ich schlug ihnen vor, dass wir doch Weihnachten und Ostern zusätzlich zu unseren Feste feiern könnten. Mein Vater erklärte mir, dass dies nicht möglich sei. „Die anderen“ würden schließlich unsere Feste auch nicht mit uns feiern.

So verging Jahr für Jahr und ich lernte immer besser, mit Weihnachten umzugehen. In der Schule erhielten wir zum Nikolaus immer Schokolade und veranstalteten eigene Weihnachtsfeiern. Als ich ins Erwachsenenalter kam, wurde Weihnachten immer mehr Bestandteil meines Lebens. Ich hatte fast nur deutsche Freunde, die ich beschenkte und die aber auch mich beschenkten. Es rührte mich sehr, dass sie mich einschlossen und mir nicht das Gefühl gaben, nicht an ihrem Fest teilhaben zu dürfen. Ich lernte mich damit zu arrangieren und genoss die Stimmung und die Dekorationen auf den Straßen. Auch diese Freude, Geschenke zu verpacken und andere damit zu überraschen, war für mich immer mein persönliches Weihnachten, auch wenn zu Hause nichts Großartiges stattfand.

Ausgeschlossen an Weihnachten

Doch ich weiß nicht, warum ich in diesem Jahr etwas nachdenklicher war und die ganze Weihnachtsstimmung mich ich etwas traurig machte. Ich fühlte mich mehr und mehr ausgeschlossen. Bei jeder Gelegenheit versuchte ich zu beweisen, dass ich dazu gehöre und nicht ausgeschlossen werden wollte. Ich bin in Berlin geboren, beherrsche die deutsche Sprache perfekt, weil es für mich wie meine Muttersprache ist, ich studiere, ich arbeite, das einzige was mich von den so genannten „Bio-Deutschen“ unterschied, war mein Name und mein „Migrationshintergrund“. Doch an Weihnachten gehörte ich dann auf einmal nicht mehr dazu. Am letzten Tag in der Uni sprachen wir über Weihnachten und ich wurde als erste angeschaut und gefragt: „Du feierst kein Weihnachten, oder?“ Es war ja keine schlimme Frage, doch als einzige in dem Raum fühlt man sich dann etwas ausgeschlossen und „anders“. Ich sollte erzählen, wie unsere Feste ablaufen und ob es auch bei uns mythische Figuren, wie den Nikolaus oder die Hexe Bafana, gibt. Ich verneinte und erzählte, dass sich unsere Feste ausschließlich darum drehen, mit der Familie zusammen zu sein und gemeinsam festlich zu essen. Geschenke stehen nicht im Vordergrund. Ich ertappte mich, wie ich nach einem kurzen Nachdenken laut sagte: „Es ist langweilig.“

Auf dem Nachhauseweg ärgerte ich mich darüber, dass ich unsere Feste so beschrieben hatte und dachte darüber nach, warum ich das so empfand. Ein Grund dafür war, dass es in Deutschland fern von der Heimat schwer ist, die gleiche Vorfreude zu empfinden, wie man es in den muslimischen Ländern tut. Dort wird ebenfalls wie an Weihnachten dekoriert und alle Menschen treffen aufgeregt die letzten Vorkehrungen. Hier, mit der engsten Familie, fallen die Vorbereitungen und entsprechend auch Fest etwas bescheidener aus. Dennoch schaffen wir es, uns mit unseren Freunden zu treffen und unser eigenes Fest fern von zu Hause so schön zu gestalten, dass der wahre Sinn des Festes, nämlich das Beisammensein, erfüllt wird.

Weihnachten heißt Zeit für die Familie

An Weihnachten hingegen verlegt sich der Fokus immer mehr auf das Kommerzielle und der religiöse Aspekt wird in den Hintergrund gedrängt. Dass die Familien aber dennoch zusammen kommen und diese Tage gemeinsam verbringen, finde ich schön. Man verbringt die Zeit zusammen und hat endlich Zeit für seine Liebsten, die man sonst im Alltagsstress vernachlässigt. Aber auch ich sitze an diesen Feiertagen mit meiner Familie zusammen, wir backen und essen zusammen, schauen Filme und reden viel öfter als an Arbeitstagen. Somit ist dies mein eigenes persönliches Weihnachten, denn obwohl wir es nicht aus religiöser Sicht feiern, uns nichts schenken, verbringen wir an diesen Tagen Zeit zusammen, was den wahren Sinn von Weihnachten erfüllt.

Viel wichtiger sind vor allem aber auch die guten Taten und dass man an diejenigen denkt, die an solchen Tagen nicht die Möglichkeit haben, das Fest so zu feiern wie man selbst. Vor einigen Tagen wurde ich in der Bahn kontrolliert. Ein junger Mann hatte aus mir unbekannten Gründen kein gültiges Fahrticket und bekam einen Strafzettel. Als der Kontrolleur ausstieg, kam eine ältere Dame zu dem jungen Mann und gab ihm ihren gültigen Fahrschein: „Hier, reichen Sie diesen Fahrschein nach, dann zahlen Sie sie nur noch 7 statt 40 €. So etwas passiert jedem einmal.“ Ich lächelte und wusste, dass dies das wahre Weihnachten ist.

Ich wünsche allen Menschen, die Weihnachten feiern, ein gesegnetes Fest und allen anderen erholsame Feiertage mit den Liebsten.

Weihnachtsbotschaft