Weihnachten in Berlin - reuters

Ein geschmückter Tannenbaum gehört für Firouz Vladi zu Weihnachten dazu. Schon als Junge freute er sich an den Feiertagen über Lichter, Geschenke und ein Festessen. „Mein seliger Vater, ein sehr frommer Muslim, hatte eine geradezu kindliche Freude daran, mit Rücksicht auf den kulturellen Brauch in Deutschland einen möglichst großen Weihnachtsbaum ins Zimmer zu stellen“, erzählt der Sprecher des Landesverbandes der Muslime in Niedersachsen, der iranische Wurzeln hat. „Meinem Vater war es auch ein Bedürfnis, seiner christlichen Schwiegermutter einen Gefallen zu tun.“

Die Tradition hält der 65-Jährige aufrecht. Mit seiner deutschen Frau stellt er jedes Jahr einen Weihnachtsbaum auf. Dass er sich damit von vielen Muslimen unterscheidet, ist ihm bewusst. „Viele beteiligen sich nicht an Weihnachten“, sagt er. Das Fest gehöre eben nicht zum religiösen Hintergrund. Aber: „Die Person Jesu und seine Mutter Maria haben im Islam einen ganz hohen Stellenwert. Mithin ist die Geburt Jesu kein Datum, dass man mit Desinteresse übergeht.“

Auch die Muslimin Yüksel Erbas aus Bremen kann den Feiertagen Schönes abgewinnen. „Wir nutzen die Gelegenheit, dass wir freihaben, für Besuche“, erzählt die 51-Jährige. Einen geschmückten Baum und Geschenke gibt es in der Wohnung der dreifachen Mutter allerdings nicht. „Wer die Religion Islam lebt, feiert kein Weihnachten“, sagt sie. Am Fest ihres Arbeitgebers nimmt sie aber teil. „Diese Zusammengehörigkeit ist für mich wichtig“, erklärt sie. Ihre neunjährige Tochter Dilara findet es nicht schlimm, dass es zu Hause kein Weihnachten gibt. „Wir haben ja andere Feste“, sagt das Mädchen fröhlich und nennt den Ramadan und das Opferfest.

Einladungen zur Betriebsweihnachtsfeier werden nicht ausgeschlagen

Alla Volodarska von der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover sieht es ähnlich wie Familie Erbas. „Ich freue mich einfach auf ein paar ruhige Tage. Das, was um mich gefeiert wird, respektiere ich, aber es hat für mich keine Bedeutung“, sagt die 56 Jahre alte Sozialarbeiterin und verweist darauf, dass Juden das Lichterfest Chanukka feiern, das meist auch im Dezember liegt. „Ich kenne keine Juden, die zu Weihnachten einen Tannenbaum aufstellen“, sagt sie. Einladungen zu Feiern nimmt die Mutter von zwei erwachsenen Kindern an. „Ich muss doch nicht gleich an Jesus glauben, wenn ich zu einer Betriebsweihnachtsfeier gehe“, sagt sie.

Bei Eckhard Feist vom Buddhistischen Zentrum Bremen sind es vor allem seine vier und sieben Jahre alten Kinder, die ihn dazu bringen, Weihnachten mit einem Tannenbaum, Liedern, Geschenken und gutem Essen zu feiern. „Früher als Kind hatte das für mich Bedeutung und dann gehe ich davon aus, dass es das für meine Kinder auch hat“, sagt der 51-Jährige, der christlich aufwuchs und seit mehr als 25 Jahren Buddhist ist. „Aber natürlich kommt Weihnachten im buddhistischen Kanon nicht vor. Wir denken, jeder Tag ist ein Geschenk“, erklärt Feist. Die Weihnachtsgeschichte spiele für ihn keine Rolle.

Auch für den 59 Jahre alten Atheisten Hans-Jürgen Rosin ist es kein Widerspruch, als Nichtchrist Weihnachten zu feiern. „Es ist ja eigentlich ein heidnisches Fest. Von den Germanen her wurde die Wintersonnenwende gefeiert. Die Christen haben irgendwann viel später diesem heidnischen Fest einen Mantel übergestülpt, weil sie es nicht ausrotten konnten“, sagt der Sprecher des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten in Niedersachsen und Bremen. Ihm zufolge nutzen viele Atheisten die Feiertage für ein Familientreffen. „Für die meisten spielt das ganze christliche Drumherum keine Rolle“, erklärt der Vater von zwei erwachsenen Kindern. Ein geschmückter Baum gehöre für viele dazu. „Aber auch das ist kein christlicher Brauch, das kommt auch aus der Wintersonnenwende.“

Orthodoxe und streng evangelikale Christen als Sonderfall

Aber auch zahlreiche Christen werden die Zeit vom 24. bis 26. Dezember nicht als Fest der Geburt Christi begehen. Dazu gehören unter anderem die Angehörigen der orthodoxen Ostkirchen, und selbst unter denen gibt es Unterschiede.

Nicht alle Orthodoxen halten sich an den Julianischen Kalender. Ganz im Gegenteil. Die Russisch-Orthodoxe Kirche ist mit der Jerusalemer, Serbischen, Georgischen Kirche und dem Kloster in Athos in der Minderheit. Andere orthodoxe Kirchen halten sich an den so genannten neujulianischen Kalender, der bis zum Jahr 2800 dem Gregorianischen Kalender entspricht. Dort wird das Fest der Erscheinung des Herrn 13 Tage später gefeiert.

Die orthodoxen Kirchen, die zum Gregorianischen Kalender übergewechselt sind, machen Zugeständnisse an die heutige Zeit. Die Industrieländer leben nach dem Gregorianischen Kalender.

In Russland wird zunächst Neujahr, danach Weihnachten und später noch das alte Neue Jahr gefeiert. Einige Russen, vor allem Jugendliche, feiern gerne Weihnachten nach dem Gregorianischen Kalender.

Aber auch viele streng evangelikale Christen feiern Weihnachten nicht – in diesem Fall vor dem Hintergrund des heidnischen Ursprungs des Festes und der aus ihrer Sicht nicht biblisch begründbaren These, wonach tatsächlich der 24. Dezember den Tag der Geburt Jesu darstelle. (dpa/RIA Novosti/dtj)