Die türkische Regierung hat vier weitere kurdische Bürgermeister abgesetzt und bringt damit einen Großteil der kurdischen Provinzhauptstädte im Südosten des Landes unter ihre Kontrolle. In den Städten Van, Mardin, Siirt und Tunceli seien am Donnerstag von Ankara ernannte Zwangsverwalter eingesetzt worden, teilte das Innenministerium mit. Die Nachrichtenagentur DHA meldete, der Bürgermeister von Van sei mit zwölf weiteren Menschen wegen mutmaßlicher Verbindungen zur PKK festgenommen worden. Schon am Mittwoch waren die Bürgermeister von Siirt und Tunceli wegen Terrorvorwürfen in Gewahrsam genommen worden.

Die abgesetzten Bürgermeister gehören mit Ausnahme von Mardin der kurdischen Partei DBP, dem regionalen Ableger der im Parlament vertretenen pro-kurdischen HDP an. In Mardin ist der pro-kurdische Bürgermeister parteilos.

HDP-Sprecher Ayhan Bilgen sagte laut einer von der Partei verbreiteten Erklärung, mit der Entscheidung von Donnerstag stünden nun acht von elf kurdischen Provinzhauptstädten unter Zwangsverwaltung, darunter die Großstädte Diyarbakır, Van und Mardin. Insgesamt seien 34 Gemeindeverwaltungen der DBP unter staatlicher Aufsicht, 39 der Bürgermeister sitzen demnach in Untersuchungshaft. Die Partei besetzt ihre Posten in der Regel mit einer Doppelspitze. Besonders die Absetzung von Gültan Kışanak, der Bürgermeisterin der Kurden-Metropole Diyarbakır, hatte auch über die Türkei hinaus Empörung hervorgerufen.

In den vergangenen Wochen war die Regierung vermehrt gegen die pro-kurdische Opposition vorgegangen. Die HDP-Chefs Selahattin Demirtaş und Figen Yüksekdağ waren am 4. November wegen Terrorvorwürfen verhaftet worden. Acht weitere Abgeordnete der HDP sitzen ebenfalls in Untersuchungshaft.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan bezeichnet die HDP als verlängerten Arm der PKK. Die HDP weist das entschieden von sich. HDP-Sprecher Bilgen betonte, dass seine Partei sich dafür einsetze, den Kurdenkonflikt mittels Dialog zu lösen. (dpa/dtj)