Der Täter des Selbstmordanschlags auf dem Sultanahmet-Platz in Istanbul, bei dem zehn deutsche Touristen starben, ist identifiziert worden. Es handelt sich laut endgültigen Angaben um den 28-jährigen Syrer Nabil Fadli. Nach bisherigen Ermittlungsergebnissen ließ sich Fadli am 5. Januar im Istanbuler Stadtteil Zeytinburnu beim Einwanderungsbüro als Flüchtling registrieren und gab dabei auch Fingerabdrücke ab. Mittels dieses Fingerabdrucks wurde seine Identität festgestellt.

Nabil Fadli wurde 1988 in Saudi-Arabien geboren. Seine Familie hat jahrelang dort gelebt, vor 15 Jahren kehrte der Vater nach Syrien zurück. Die Familie lebt heute in Mumbuc in der Nähe von Aleppo. Nabil Fadli kämpfte zwischen den Jahren 2012 und 2014 auf Seiten der Rebellen gegen das Assad-Regime. Im Januar hat er sich dem IS angeschlossen.

Gegenüber einer türkischen Zeitung äußerte die Familie, dass sie überrascht und beschämt sei, weil sie angenommen hätte, ihr Sohn sei eigentlich tot. Nach ihren Angaben kam am 26. Dezember 2015 der ‚Regionalleiter‘ des IS in das Haus der Familie und meldete, ihr Sohn sei bei einem Kampf ums Leben gekommen, aber da der Leichnam sich im Gebiet der kurdischen PYD befinde, habe er nicht abgeholt werden können. Die Familie dazu: „Wir hatten tagelang für ihn gebetet. Jetzt schämen wir uns für ihn.“

Obwohl die Identität des Täters festgestellt werden konnte bleiben Fragen, die auf eine Antwort warten:

Wie konnte so schnell nach dem Anschlag festgestellt werden, dass der Täter IS-Mitglied war?

Falls man den Täter bereits registriert hatte und schon vor dem Anschlag wusste, dass er IS-Mitglied ist, warum wurde er nicht vorher schon verhaftet?

Wenn man ihn mittels eines Fingerabdruckes identifiziert hat, wie konnte man den am Tatort gefundenen Finger sofort dem Selbstmordattentäter zuordnen?

Warum wurde die Identität des Täters direkt nach dem Attentat von der Politik bekanntgegeben und nicht von den Ermittlungsbehörden?

Unterdessen werden die sterblichen Überreste der beim Anschlag getöteten Deutschen sowie die Verletzten und Angehörigen durch eine Militärmaschine nach Deutschland gebracht. Bei der Pressekonferenz in Berlin sagte der Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums Jens Flossdorf dem Krisenstab, der im Außenministerium gebildet wurde, gehöre auch das Verteidigungsministerium an und habe angeboten, den Transport zu übernehmen. Der in Köln stationierte Airbus Medewec stehe dafür bereit.