Lange Jahre kannte man die erneuerbaren Energien in erster Linie als hoch subventioniertes Milliardengrab, in dem ein Vorzeigeunternehmen nach dem anderen pleiteging und der Nutzeneffekt in Frage stand.

Mittlerweile scheint man jedoch in der Lage zu sein, über die Masse zu Ergebnissen zu kommen, die den Eindruck bestärken, dass auf Dauer gesehen zumindest die Windkraft in Deutschland in der Lage sein könnte, den Vorschusslorbeeren gerecht zu werden und kräftige Zuwächse im Bereich der Leistung zu verbuchen.

Jedenfalls hat die Windkraftbranche in Deutschland 2014 einen Zuwachsrekord verbuchen können. So sind im letzten Jahr mehr Windräder aufgestellt worden als je zuvor. Ganz ohne Politik ging das allerdings auch nicht vonstatten: Ein Grund für diesen Aufschwung ist, dass immer mehr Bundesländer bereit sind, landeseigene Flächen für den Betrieb von Windrädern zur Verfügung zu stellen. Ein weiterer ist, dass die Große Koalition den Bürgern gelobt hatte, die Subventionen zurückzuschrauben und dies nun in der letzten Phase Mitnahmeeffekte auslöst.

Auch die Regierungspläne, künftig Ökostrom-Projekte auszuschreiben und den Zuschlag Anbietern zu geben, die am wenigsten an Subventionen benötigen, scheinen noch einmal dafür gesorgt zu haben, dass Projekte vorgezogen wurden.

Allein an Land wurde eine Leistung von 4750 Megawatt neu installiert und damit fast 60 Prozent mehr als 2013, teilte der Bundesverband Windenergie (BWE) mit. Ältere Windräder seien abgerissen worden, unterm Strich sei ein Leistungszuwachs von knapp 4400 Megawatt durch Neuerrichtungen erzielt worden. Dies entspräche einer Leistung von fast vier Atomkraftwerk-Blöcken. Insgesamt würde, so BWE-Präsident Hermann Albers, eine Leistung von 38 000 Megawatt an Land erbracht. Dafür seien im Vorfeld 6,2 Milliarden Euro investiert worden, für die nächsten Jahre würden Neu-Installationen im Umfang von jeweils um die 3500 Megawatt erwartet.

Auf Grund der Masse an neuen Windkraftanlagen soll die Förderung über garantierte Stromabnahmepreise ab 2016 um 4,8 Prozent gesenkt werden können. Unter allen erneuerbaren Energien gilt Windenergie an Land als kostengünstigste.

Aber auch Windparkbetreiber zur See freuen sich über eine verbesserte Bilanz. Am 30.4. wurde der Windpark „DanTysk“ an der deutsch-dänischen Grenze als jüngstes Projekt im Beisein des Wirtschaftsministers Sigmar Gabriel offiziell in Betrieb genommen. Fünf Jahre zuvor war mit „alpha ventus“ der erste deutsche Offshore-Windpark ans Netz gegangen. Bis zum Herbst sollen nicht weniger als sieben weitere in Nord- und Ostsee ihren Betrieb aufnehmen.

Ende des vergangenen Jahres lieferten, wie die dpa berichtete, knapp 260 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 1050 Megawatt Strom ins deutsche Netz. Bis zum Ende des laufenden Jahres wolle man die Leistung auf ungefähr auf 3000 Megawatt verdreifachen, äußerte sich Sebastian Sahm von der Stiftung Offshore-Windenergie gegenüber der Nachrichtenagentur. Das entspräche ungefähr der Leistung von zwei großen Atomkraftwerken wie zum Beispiel Brokdorf. „

Nach 2020 soll die Gesamtkapazität der Windkraftanlagen auf See innerhalb von zehn Jahren auf 15 000 Megawatt wachsen, was zwei neuen Windparks entsprechen würde. Gemessen an Zahl und Leistung der Offshore-Windparks liegt Deutschland in Europa hinter Großbritannien und Dänemark auf Platz drei.