„Wir konnten nicht ausdrücken, wie sehr es uns weh tat“

Pakistans in die Politik gewechselter ehemaliger Spitzensportler Imran Khan, der bereits in der Zeit zwischen 2002 und 2007 in der Nationalversammlung vertreten war und vom „Foreign Policy“-Magazin als „Pakistans Ron Paul“ bezeichnet wird, sieht die Verantwortung für das Schweigen des Westens bei Beleidigungen des Islams bei den muslimischen Eliten. „Wir konnten nicht ausdrücken, wie sehr es uns weh tat“, so der Politiker.

Khan, der derzeit Vorsitzender der Partei „Pakistan Tehreek-e-Insaf“ (PTI, „Pakistanische Bewegung für Gerechtigkeit“) ist und als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für die im kommenden Jahr bevorstehenden Wahlen gesehen wird, sieht den Grund in der fehlenden Reaktion auf die den Islam und den Propheten Muhammad beleidigenden Veröffentlichungen und in der nicht ausreichenden Aufklärung über die Verwundbarkeiten der muslimischen Welt seitens deren Führer.

Im Interview mit „Zaman“ kommentierte er die Ereignisse, die durch den Film „Die Unschuld der Muslime“ ausgelöst worden waren, wie folgt: „Als unser Prophet beleidigt wurde, Karikaturen gedruckt wurden, oder der Koran verbrannt werden wollte, hätten die muslimischen Eliten unseren Schmerz und unsere Trauer über diese Ereignisse zur Sprache bringen sollen.“ Solche Verhaltensweisen hätten nichts mit Meinungsfreiheit zu tun, so Khan, der sich derzeit anlässlich des Istanbuler Globalisierungsforums in Istanbul aufhält.

Der 60-jährige Politiker hatte an der Oxford Universität Politikwissenschaften und Volkswirtschaftslehre studiert. In den Jahren, die er in England verbracht hatte, konnte er die unterschiedliche Art und Weise beobachten, in der Muslime und Christen ihren Glauben ausleben. „Ich war verwundert, als ich einen Film gesehen habe, in dem (der Prophet) Jesus auf den Arm genommen wurde. Unsere Verhaltensweise, die von Respekt den Propheten gegenüber gekennzeichnet ist, ist ihnen fremd.“

Die Reaktionen mancher Muslime auf die Schmähungen betrachtet Imran Khan auch nicht als angemessen. Er betonte, die gewaltigen Proteste verursachten Schäden an öffentlichen Gütern und am Image der Muslime.

Khan selbst war in seinem Land ein legendärer Cricketspieler, später auch Teamkapitän seiner Mannschaft, der es 1992 gelang, das Spiel gegen England zu gewinnen und so den Weltmeistertitel zu erringen. Der von ihm 1996 gegründeten Partei „Pakistanische Bewegung für Gerechtigkeit“ gehören mittlerweile 10 Millionen Mitglieder an.

Khan, der Erneuerungsbedarf in der Außenpolitik sieht, sieht die Tötung des ehemaligen Al- Qaida-Führers in seinem Heimatland als „beschämend“ an. Er kritisiert das Attentat der USA auf den alten, unbewaffneten Mann: „Wie zivilisiert ein Land ist, sieht man an seiner Justiz. So wie die USA Saddam vors Gericht geführt hatten, so hätten sie auch mit Bin Laden umgehen sollen“, so Imran Khan.