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Turbulenzen in der Türkei: Über 100 Fonds liquidiert – und fast 200 X-Accounts gesperrt
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Turbulenzen in der Türkei: Über 100 Fonds liquidiert – und fast 200 X-Accounts gesperrt

Während in der Türkei 131 Investmentfonds liquidiert werden, gehen die Behörden gegen 194 X-Accounts von Finanzexperten, Journalisten und Kommentatoren vor.

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Von dtj-online30. September 2026
4 Min. Lesezeit
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In der Türkei gehen Behörden derzeit massiv gegen Journalisten und Blogger aus den Bereichen Wirtschaft, Finanzen und Börse vor. So erzwang die Führung in Ankara die Sperre von bislang 194 Accounts auf dem Kurznachrichtendienst X. Betroffen waren hauptsächlich Ökonomen, Finanzexperten, Wirtschaftsjournalisten, Kommentatoren oder Betreiber von Börsenbriefen. Aber auch Schauspieler und Politiker gerieten ins Visier.

Türkische Behörden gehen gegen „spekulative“ Beiträge vor

Die gesperrten Accounts verfügten über etwa 12 Millionen Follower – die meisten davon wurden in türkischer Sprache geführt. Von den Betroffenen hatten 33 Accountbetreiber mehr als 100.000 Follower, auf sie entfielen etwa 71 Prozent der Reichweite aller restringierten Konten.   

Zu den gesperrten Experten gehören Uğur Gürses, Veysel Ulusoy, Bilge Yılmaz, Ted Pillows, Emre Şirin, Naz Yavuzarslan, Dinçer Gökçe, Yavuz Değirmenci und Orhan Aydın. Sie alle haben einen Namen unter türkischen Geldanlagen, die sich auch über Social Media über Finanz- und Wirtschaftsthemen informieren.

Auslöser des Vorgehens ist eine schwere Krise am türkischen Fondsmarkt. Die Kapitalmarktaufsicht in der Türkei (SPK) hat die Schließung und Liquidation von insgesamt 131 Fonds angeordnet. Diese wurden von sieben Portfolioverwaltungsgesellschaften betrieben.

455.758 Privatanleger von Fonds-Krise betroffen

Von der Pardus Portföy Yönetimi AŞ wurden gleich 42 unter die sogenannte Tasfiye gestellt – also der Liquidation zugeführt. Weiter sind 31 Titel der Hedef Portföy Yönetimi AŞ, 16 der Atlas Portföy Yönetimi AŞ, 15 der Bulls Portföy Yönetimi AŞ, 12 der Pusula Portföy Yönetimi AŞ, 9 der A1 Capital Portföy Yönetimi AŞ sowie 6 der Tera Portföy Yönetimi AŞ betroffen.

Für die Fonds von Tera Portföy wurde die Türkiye İş Bankası als Verwahrer und Abwicklungsstelle bestimmt. Die Fonds von Pardus, Hedef, Atlas, Bulls, Pusula und A1 Capital soll die Ziraat Bankası abwickeln. Insgesamt halten nach Angaben des zentralen Wertpapierregisters etwa 455.758 Privatanleger Anteile an den betroffenen Fonds.

Das Fondsvolumen aller betroffenen Vermögensmassen soll sich auf rund 891 Milliarden TL summieren – umgerechnet 16,4 Milliarden Euro. An der Börse kam es zu Panikverkäufen. Im Verlaufe der Vorwoche verlor der türkische Leitindex mehr als 8 Prozent.

Verein kritisiert Sperrung ganzer Accounts

Ermittelt wird gegen mehrere verantwortliche Manager wegen des Verdachts der Marktmanipulation. Neun von ihnen sitzen in Haft, ursprünglich kam es zu 14 Festnahmen im Zusammenhang mit dem Börsenskandal.

Allerdings bekommt den Journalisten, die zuvor auf mögliche Unregelmäßigkeiten hingewiesen hatten, ihre Skepsis auch nicht gut. Die Staatsanwaltschaften in Istanbul und Ankara werfen ihnen vor, sich auf „spekulative“ Weise über Kapitalmarktinstrumente geäußert zu haben. Damit hätten sie bei Anlegern „Angst und Panik“ ausgelöst.

Die Rechtsgrundlage dafür ist dem „Verein für Meinungsfreiheit“ (İfade Özgürlüğü Derneği; İFÖD) zufolge Artikel 8/A des Gesetzes Nr. 5651. Dieser ermöglicht unter anderem Eingriffe aus Gründen der nationalen Sicherheit und öffentlichen Ordnung. Der Verein kritisiert, dass die Behörden nicht nur einzelne Beiträge, sondern ganze Accounts sperren lassen. Das enthalte Nutzern auch unbedenkliche Beiträge vor.

Auch betroffene Journalisten, darunter Dinçer Gökçe, kritisieren, die Einschränkung von Journalisten und Kommentatoren löse die Probleme am Fondsmarkt nicht. Zudem würden sie die öffentliche Diskussion unterbinden. Freedom House hat 2025 der Türkei nur 31 von 100 möglichen Punkten bei der Internetfreiheit attestiert. Damit zählt sie zu den Ländern mit der langfristig schlechtesten Bilanz.

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