Wirtschaftliche Interessen befriedigt, Streit um Syrien ungelöst

Istanbul – Die Türkei und Russland wollen ihre Wirtschaftsbeziehungen ungeachtet des Streits um den Syrien-Konflikt kräftig ausbauen. Ziel sei eine Verdreifachung des Handelsvolumens auf 100 Milliarden US-Dollar (rund 77 Milliarden Euro) in den kommenden Jahren, sagte der türkische Ministerpräsident Erdoğan am Montag nach Gesprächen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Istanbul. Meinungsverschiedenheiten über den Sturz des syrischen Regimes blieben nach einem dreistündigen Gespräch bestehen.

Erdoğan sagte, seine Regierung wolle ein Ende des Blutvergießens in Syrien erreichen. Eine Zusammenarbeit mit Russland werde zur Stabilisierung der ganzen Region beitragen. Putin sagte, sein Land und die Türkei teilten das Ziel eines Endes der Gewalt. „Es gibt aber unterschiedliche Lösungsansätze“, sagte Putin türkischen Berichten zufolge. Russland sei jedoch nicht Anwalt des syrischen Regimes. Ein russischer Sprecher sagte am Rande des Treffens, die Türkei solle ihren Einfluss nutzen, um die syrische Opposition zu Verhandlungen mit Präsident Baschar al-Assad zu bewegen.

Neue Kraftwerke und Wirtschaftsverträge – aber keine Einigung beim Streit um Assad

Russland schießt der Türkei nach Aussage Putins die Gesamtkosten von rund 22 Milliarden US-Dollar (16,8 Mrd Euro) für das geplante erste Atomkraftwerk des Landes vor. „Mindestens 25 Prozent der Mittel werden zur Schaffung von Arbeitsplätzen in der Türkei genutzt“, sagte er. Der russische Staatskonzern Rosatom soll das Atomkraftwerk in Akkuyu im Süden des Landes bis 2022 errichten. Rosatom habe auch Interesse am Bau weiterer AKWs in der Türkei, sagte Energieminister Alexander Nowak der Agentur Itar-Tass zufolge.

Insgesamt unterzeichneten die Delegationen der beiden Staaten elf Wirtschaftsabkommen. Die Türkei ist vor allem auf eine Ausweitung der Energielieferungen aus Russland angewiesen, da Geschäfte mit dem Iran wegen internationaler Sanktionen und politischer Auseinandersetzungen immer unsicherer werden. Gas- und Ölmangel könnten aber zu Gefahren für die kräftig wachsende türkische Wirtschaft werden.

Es war erwartet worden, dass Erdoğan Putin hinter verschlossenen Türen zu einem Ende der Unterstützung für das syrische Regime drängt, ohne es auf einen öffentlichen Schlagabtausch anzulegen. Der Besuch in Istanbul war die erste Auslandsreise Putins seit Monaten. (dtj/dpa)