Vor einem Jahr hatte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi (rechts), angekündigt, dass die Notenbank im Notfall unbegrenzt Anleihen der Krisenländer aufkaufen werde. Dieses Versprechen hat vielen Investoren die Angst vor einem Zusammenbruch des Euros genommen und ihr Vertrauen in den Währungsraum gestärkt.

Obwohl die Eurozone weiterhin von der Schuldenkrise gebeutelt ist, ist zumindest jenen Wirtschaftstreibenden und -experten in Europa die Zuversicht noch nicht abhandengekommen, von denen mehr als 300 in Zusammenarbeit mit der Internationalen Handelskammer (ICC) in Paris befragt wurden.

Wie die „Morgenpost“ berichtet, ist das Wirtschaftsklima in der Euro-Zone nach Angaben des Ifo-Instituts derzeit so gut wie seit zwei Jahren nicht mehr. Das Barometer für das dritte Quartal verbesserte sich um 7,2 auf 102,3 Punkte, wie die Münchner Forscher mitteilten.

Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen sieht dies als ein Anzeichen für konjunkturelle Stabilisierung. Insgesamt liegt der Indikator jedoch immer noch deutlich unter seinem 15-Jahres-Durchschnitt von 108.

Inwieweit das Ergebnis Zweckoptimismus widerspiegelt oder von tatsächlichen Ansätzen einer Erholung nach der längsten Rezession der Geschichte des Euroraums getragen wird, ist indessen ungewiss. Volkswirte rechnen nach sechs Quartalen der Schrumpfung für die Zeit von April bis Juni 2013 mit einem erstmaligen Anstieg des BIP. Allerdings dürfte dieser sich in einem außerordentlich bescheidenen Rahmen halten.

Außerdem wird mit bei genauerer Analyse von den Fachleuten nur Deutschland und Estland eine zufriedenstellende bis gute Situation bescheinigt. In den meisten anderen Ländern trat im zweiten Quartal allenfalls eine leichte Beruhigung ein. In Frankreich, Griechenland, Italien, Portugal, Spanien und Zypern sei sie hingegen weiterhin schlecht. Geringfügig verbessert habe sich die Lage in Belgien, Irland, Finnland, den Niederlanden und Slowenien.

Die Aussichten für das kommende Halbjahr seien hingegen besser. Nur in Slowenien und in Zypern dürfte sich die Lage weiter verschlechtern.

Aufatmen nach positiven Quartalszahlen in der Eurozone

Die erwartete Inflationsrate für den Euroraum für 2013 wurde von den WES-Experten auf 1,7% p.a. (Vorquartal: 1,9%) zurückgenommen. Ihrer Meinung nach werden die langfristigen Zinsen im Laufe der nächsten sechs Monate leicht anziehen, allerdings nicht in den „Krisenländern“, wo sie tendenziell leicht zurückgehen bzw. unverändert bleiben dürften. Die Mehrheit der Wirtschaftsexperten rechnet mit einer Verteuerung des US-Dollar gegenüber dem Euro in den nächsten sechs Monaten.

Für Aufatmen sorgte allenthalben in der Eurozone auch die Tatsache, dass es diese erstmals seit sechs Quartalen geschafft hat, aus der Rezession zu kommen. Deutschland und Frankreich wuchsen verhältnismäßig stark, während die Rezession in den Krisenländern deutlich geringer ausfiel als in den Quartalen zuvor. Die Wirtschaft der Eurozone legte im Frühjahr laut dem Europäischen Statistikamt Eurostat immerhin um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu.

Optimisten sehen dies als positive Bilanz der Euro-Rettungspolitik. Vor einem Jahr hatte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi (re.), angekündigt, dass die Notenbank im Notfall unbegrenzt Anleihen der Krisenländer aufkaufen werde. Dieses Versprechen hat vielen Investoren die Angst vor einem Zusammenbruch des Euros genommen und ihr Vertrauen in den Währungsraum gestärkt. So konnten auch andere wirtschaftsstützende Maßnahmen wie etwa die extrem niedrigen Zinsen besser zur Geltung kommen.