Symbolbild; Archiv
Symbolbild: Ein Mann läuft vor einer Waffenwerbung entlang; Quelle: DTJ-Archiv

Ein Vertreter der größten türkischen Wirtschaftsdynastie, der Koç-Unternehmensgruppe, gab am letzten Donnerstag bekannt, dass das Unternehmen seine Rüstungssparte zu einem entscheidenden Schlüsselsegment ausbauen möchte.

Der internationale Verteidigungsmarkt ist lukrativ. Das wissen auch die Chefs der Koç-Holding genau. Obwohl die Wirtschaft weltweit nicht aus der Rezession kommt, ist die Nachfrage für Rüstungsgüter ungebrochen. Sie steigt sogar an, obwohl viele Länder sich eine Aufstockung ihres Militäretats kaum leisten können. Tatsache aber ist, dass sich viele Nationen nach noch mehr Sicherheit sehnen und sich deswegen mit neuester Waffentechnologie eindecken – möglicherweise auch gerade wegen ihrer größeren Angreifbarkeit in Krisenzeiten.

Die Verantwortlichen der Koç-Holding sehen auf diesem Spezialmarkt eine große Chance. Fortan möchten sie die Rüstungsschiene als „fünfte Sparte“ fest in ihren Funktions- und Arbeitsbereich integrieren. Im Namen seiner Tochtergesellschaft Otokar baute die Familie in den letzten Jahren eine konkurrenzfähige Waffenschmiede auf. Das bewiesen auch die zahlreichen neuen Waffensysteme, welche die Koç-Gruppe letzte Woche auf der IDEF 2013 präsentierte.

Koç-Produkte beliebte Waren

Das Vorzeigeprodukt von Koç ist der 60-Tonnen-Panzer Altay, der in seiner Gewichtsklasse ein unschlagbares Preis-/Leistungs-Verhältnis bietet. Zudem ist er mit der neuesten Technologie ausgestattet und wird voraussichtlich 2017 in die Produktion gehen. Im Laufe der Rüstungsmesse meldeten sich viele Interessenten und potenzielle Käufer bei den Vertretern von Otokar. Das nahm die Geschäftsleitung zum Anlass für eine Stellungnahme. Die starke Nachfrage scheint die Verantwortlichen stark zu beflügeln.

„Es gibt viel Potenzial in der Verteidigungsindustrie. Ob auf Land oder auf der See, es gibt viele großartige Projekte für uns“, sagte Ali Koç, Vertreter der Koç-Holding, am Abend einer Konferenz am Donnerstag. Die Rüstungsindustrie werde eine wichtige Bereicherung für die Schlüsselsektoren des Konzerns sein. Zu den Schlüsselsektoren des türkischen Megakonzerns zählte Ali Koç bisher den Energiesektor, den Finanzsektor, die Produktion von Konsumgütern und den Automobilsektor. Nun kommt auch der Rüstungssektor dazu.

Der Markt ist lukrativ, weil er nicht wirklich von der Gefahr einer nachlassenden Nachfrage seitens der Konsumenten betroffen ist. „Verbraucher werden von der Wirtschaftskrise getroffen. Der Verteidigungsmarkt aber stellt keinen Konsumentenmarkt im klassischen Sinne dar und wird daher auch nicht so sehr von der Wirtschaftskrise und deren Folgen beeinflusst. Ein Investment in diesem Bereich ist ein sicheres Geschäft“, erklärt Ali Koç und weist mit markigen Worten darauf hin, warum die Rüstungsindustrie so eine große Anziehungskraft auf Produzenten entfaltet.

Erst im Januar entschied die Tochtergesellschaft der Koç-Gruppe, RMK Marine, eine 3,5 Milliarden Dollar schwere Ausschreibung des türkischen Staates für sich. Sie wird eigens für die türkische Marine kreierte Korvetten herstellen. Nicht weniger als sechs Stück sollen es werden.

Gigantisches Familienunternehmen

Des Weiteren machte Vorsitzender Mustafa Koç letzte Woche deutlich, dass das Traditionsunternehmen nach Afrika expandieren möchte. Bislang hätte man die Möglichkeiten auf dem riesigen Kontinent verkannt. Vor allem im Energiesektor sieht der Geschäftsführer gute Chancen, Fuß zu fassen. Die Koç-Holding ist eine türkische Unternehmensgruppe mit weltweit 85.000 Mitarbeitern, einem Jahresumsatz von 40 Milliarden US-Dollar und einer Exportquote von knapp 30 %. Die Unternehmensgruppe alleine steht für 12 Prozent des gesamttürkischen Exportvolumens. Sie zählt zu den 50 größten Unternehmen in Familienhand außerhalb der USA. Das Unternehmen wurde in den 1920er-Jahren gegründet.

Türkische Rüstungsunternehmen spielen auf dem internationalen Rüstungsmarkt eine immer größere Rolle.