Ali Riza Gürbüz schrieb das WM-Lied

Heute Abend um 22 Uhr ist es soweit: Deutschland spielt im Halbfinale gegen Brasilien. Der Gegner spielt im eigenen Land und hat damit 200 Millionen Fans hinter sich. Dennoch ist sich Deutschland sicher: Unser Team hat eine gute Chance. Mit zahlreichen Weltmeister-Songs zeigen wir unsere Unterstützung für unsere Fußballmannschaft. Diese Lieder haben ihre ganz eigene Geschichte, so auch das von Ali Rıza Gürbüz.

Manche Songs verstehen es, zu begeistern, manche werden auch nur allzu gerne der Vergessenheit anheimfallen gelassen, allen geht es aber meistens darum, die Motivation des deutschen Teams zu steigern und die Fans im eigenen Land anzuheizen. Der Fußball-Song „Ali für Deutschland“ von dem Deutschtürken Gürbüz hat zudem aber auch noch andere Hintergründe: Er steht für Integration.

Bisher hatte der 45-Jährige nie viel mit der WM zu tun, außer, dass er zeitweise in die Spiele reinschaute. Daher hatte er nie vor, einen WM-Song zu schreiben. Doch dann musste er eine Woche wegen eines Hautproblems ins Bundeswehrkrankenhaus. Es beeindruckte ihn tief, wie liebevoll und sorgsam das Personal dort mit ihm umging. Es war das erste Mal, dass er sich in Deutschland angekommen fühlte.

Von der Atmosphäre dort ließ er sich inspirieren. Aus dem Spruch „Wir dienen Deutschland“, den er im Bundeswehrkrankenhaus las, kam ihm die erste Idee für den jetzigen WM-Song. Einen Entwurf dafür nahm er mit seinem Handy auf. Zwei Tage später war das Lied fertig. Die Melodie trommelte er zu Testzwecken vor seiner Tochter mit den Händen auf einer Tischkante.

Nachdem der Song geschrieben war, nahm er ihn im Studio eines Freundes auf. Dieses bezahlte er selbst, dabei setzte er sich eine Grenze von 1000 Euro als maximale Investitionssumme. Er spielte das Lied verschiedenen Ämtern vor, die alle von ihm einen schriftlichen Antrag verlangten. Selbstbewusst schlug er die Forderung aus, dazu fehle ihm die Zeit. Er spielte sein Lied ungefragt ab und überzeugte tatsächlich damit.

Daraufhin bekam Gürbüz eine Sonderdrehgenehmigung für den Videodreh, die es ihm erlaubte, überall zu filmen, wo er es für richtig hielt. Eine Filmfirma sponserte den Dreh, nachdem sie sah, wie viele Menschen sich für das Projekt eingesetzt hatten.

Seit 33 Jahren in Neukölln

Der Industriemechaniker kam mit 12 Jahren nach Deutschland und lebt heute seit mittlerweile 33 Jahren in Berlin-Neukölln. Er fühlt sich als Berliner und redet mit Stolz in seiner Stimme von seinem Kiez. Seit 1986 arbeitet er hier und liebt seinen Beruf. Trotzdem bleibt die Musik seine große Leidenschaft. Neben der Arbeit machte er schon immer Musik und besuchte eine Tanzschule.

Er war Mitglied einer Band, mit der er Weltmusik machte. Neben dem Spielen von Instrumenten wie dem Schlagzeug sang er auch. In seinen Liedern improvisierte er viel mit verschiedenen Stilen und Sprachen. Er entdeckte schon in seiner Kindheit, dass man durch Musik viele Menschen erreichen kann: „Musik ist eine eigene Sprache. Dazu musst du diese Sprache nicht verstehen können. Es reicht auch, sie zu fühlen.“

„Hätte es auch für Deutschland geschrieben, wenn die Türkei dabei gewesen wäre“

Nun ist sein Musikvideo auf Youtube zu sehen, das Lied selbst kann man für 99 Cent bei iTunes kaufen. 50 Prozent der Einnahmen gehen an ein Obdachlosenheim in seinem Kiez Neukölln. Als Grund gab er an, dass er das Geld nicht brauche. „Ich habe einen Job, ich habe Familie, ich bin glücklich. Das würde ich gerne teilen.“

Es war ihm wichtig, mit dem Lied zu zeigen, dass er als Deutchtürke hinter der deutschen Fußballmannschaft steht. Aus dem Lied wurde ein Non-Profit-Projekt, mithilfe dessen er ein Symbol für Integration und das friedliche Zusammenleben schuf. Gürbüz sieht die deutsche Fußballmannschaft als ein sehr starkes Team. Er sagt, sein Herz schlage für Deutschland und er hoffe, dass sie dieses Jahr gewinnen. Übrigens hätte er das Lied auch dann für Deutschland geschrieben, wenn es die Türkei bis zur WM geschafft hätte.