Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat als Konsequenz aus dem rechten Terror des sog. NSU einen gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit Bürgern ausländischer Herkunft gefordert. „Viele meinen, wenn sie ‚wir‘ sagen, nur Menschen ohne Migrationshintergrund“, schreibt er in einem Gastbeitrag für den „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Samstag). Das bedeute, dass Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland nicht richtig dazugehörten. „Doch wir gehören zusammen“, so Wulff.

Er wandte sich auch gegen Verallgemeinerungen wie „die Türken“ und „die Muslime“. Dies sei unzulässig. Nur im Miteinander bilde sich die Gesellschaft in Deutschland. „Was wir heute sind, haben wir alle miteinander geschaffen“, so der frühere Bundespräsident weiter.

„Wir gehören zusammen“ 

Wulff bezeichnete die Vielfalt einer offener Gesellschaft als besten Garanten für Frieden, Wohlstand und Entwicklung. Alle Menschen in Deutschland sollten die richtigen Lehren aus dem Terror, der offiziell dem sog. NSU zugeschrieben wird, ziehen.

„Wenn das Leben von Mitmenschen in unserer Gesellschaft bedroht wird, wenn Menschen verfolgt und ausgegrenzt werden, gefährdet das unsere Demokratie.“ Sorgen bereiteten ihm auch „diejenigen, die Vorurteile schüren, die verächtlich und pauschal über andere sprechen, die Intoleranz hoffähig machen. Auch das dürfen wir nicht zulassen.“

Er selbst habe leider bei den Anschlägen zunächst „die Theorie der Kriminalität unter Ausländern leichtfertig durchaus für plausibel gehalten“, bekannte Wulff. Nach Gesprächen mit den Angehörigen der Opfer sei er deshalb „zutiefst beschämt“ gewesen. Dennoch habe ihn das Versagen der Ermittlungsbehörden bei der Aufklärung „schockiert und aufgewühlt“, schreibt Wulff in seinem Beitrag zum zehnten Jahrestag des Nagelbombenattentats in der Kölner Keupstraße. Bei der Tat am 9. Juni 2004 wurden 22 Menschen verletzt, vier davon schwer. (kna/dtj)