Die türkische Presselandschaft ist seit Dienstag um eine Zeitung reicher geworden. Das neue Blatt trägt den Namen „Yeni Hayat“ („Das Neue Leben“) und seine Belegschaft besteht zum überwiegenden Teil aus ehemaligen Zaman-Mitarbeitern. Zaman war ehemals die auflagenstärkste Tageszeitung der Türkei. Anfang März dieses Jahres wurde die regierungskritische Zeitung einem staatlichen Zwangsverwalter unterstellt und viele ihrer Mitarbeiter auf die Straße gesetzt.

Unmittelbar nach der faktischen Verstaatlichung von Zaman wurde die Zeitung „Yarına Bakış“ („Blick auf morgen“) herausgebracht und gemutmaßt, dass sie die Nachfolge von Zaman antreten werde. Doch nun ist Yeni Hayat entstanden und beherbergt die meisten der ehemaligen Mitarbeiter und Kolumnisten von Zaman. Darunter befindet sich auch die türkische Fußballlegende Hakan Şükür, der einst selbst für die AKP im Parlament saß, aber nach der Korruptionsaffäre Ende 2013 mit der Partei brach.

Chefredakteur der Yeni Hayat ist der ehemalige Zaman-Redakteur Veysel Ayhan. Er erläuterte in der ersten Ausgabe der Zeitung, wie es zur Gründung von Yeni Hayat kam: Ayhan erinnert daran, dass in der Türkei in den letzten sechs bis sieben Monaten mehr als 2000 Journalisten ihren Job verloren haben und die Arbeitslosigkeit unter Journalisten dreimal so hoch ist wie im Landesdurchschnitt. Er schreibt:

„Wir als eine Handvoll Journalisten wollten mit unseren sehr bescheidenen finanziellen Mitteln unsere Arbeit fortsetzen. Wir hätten weder auf dem Basar Zitronen verkaufen noch als Bauunternehmer nach Geld jagen können. Manche von uns sind für die Miete aufgekommen, manche haben von ihren Abfindungen unseren Bürobedarf finanziert. Wer von uns einen Laptop finanzieren konnte, hat sich uns angeschlossen. Auf diese Weise haben wir Yeni Hayat gegründet.“

Seit gestern erscheint die Yeni Hayat auch als Printausgabe. Zur Zukunft der Zeitung äußert sich Ayhan jedoch zurückhaltend: “Wir haben keine großen Ambitionen, machen keine großen Versprechungen. Wir möchten in unseren Berichten den internationalen Standards des Journalismus verbunden bleiben. Wir wollen gerecht sein und den Unterdrückten und Schwachen eine Stimme geben.“


Der Internet-Auftritt der neuen Zeitung ist unter der Adresse www.yenihayatgazetesi.com zu finden.