Ein bettelarmer Junge und ein wohlhabendes Mädchen verlieben sich ineinander. 90 Minuten lang kämpfen sie für- und umeinander. Kämpfen darum, sich irgendwie lieben zu können. Nicht immer finden sie zueinander.

So dramatisch sind die Liebesdramen der Filmproduktion Yeşilçam (dt. Grüne Tanne), benannt nach einer Straße in Istanbul, in der das Studio ansässig war. Vor allem in den 60er und 70er Jahren gab es ein goldenes Zeitalter dieser Filme. Zu dieser Zeit wurden jährlich um die 200 Filme gedreht. Die alten Klassiker haben Kultstatus.

So berichtet ein User im Forum movie-infos.net von einem Freund, der heute noch Feuer und Flamme sei, wenn es um die Filme gehe: „Ein Kumpel von mir, ein Türke, sieht sich die Filme immer an. Jeder in seiner Familie, vom kleinen Bruder bis zur Oma, ist ein Fan.“

Diven und Helden

Die weiblichen Rollen wurden zu Vorbildern vieler Zuschauerinnen. So wurde Fatma Girik durch ihre Rolle im Film „Belalı Torun“ von 1962 zur „Erkek Fatma“. Im Film überzeugte sie als Mädchen, das sich als Junge ausgeben musste, weil sich der Großvater einen Enkelsohn gewünscht hatte. Im wahren Leben überzeugte sie als emanzipierte Frau, die gegen Ungerechtigkeit kämpfte.

Zur Türk sinemasının sultanı (Sultanin des türkischen Kinos) wurde Türkan Şoray genannt. Sie spielte schöne Frauen und bekam daher diesen Spitznamen. Mit dem Liebesfilm „Acı Hayat“ (Bitteres Leben) gelang ihr der Durchbruch. Sie ist der erste Frauenname, der einem einfällt, wenn man an Yeşilçam denkt.

Doch auch „Hau-drauf-Filme“ und männliche Legenden wurden mit Yeşilçam geschaffen. So steht in einem Forumbeitrag über Cüneyt Arkın: „Er ist der Marlon Brando, Bruce Lee und Sylvester Stallone der Türkei, Cüneyt Arkın ist einfach eine lebende Legende.“ Er spielte viele körperlich herausfordernde Rollen. So kämpfte er in Battal Gazi Destanı (Der Battal Gazi-Epos) als Battal Gazi gegen die Kreuzritter und Byzanz.

Bei seinen unzähligen Filmen spielte er auch den Geliebten und nahm mit seinen Dialogen nicht nur Einfluss auf die türkische Filmgeschichte, sondern auch auf die heutige türkische Sprache.

„Nayır nolamaz“ – Yeşilçam und die türkische Sprache

Die dramatischen Situationen und Gefühle wurden oft mit den Worten „Hayır olamaz“ (Nein, das darf nicht sein) zum Ausdruck gebracht. Da die Tonaufnahmen in der 60ern allerdings noch zu wünschen übrig ließen, wurde aus dem „Hayır olamaz“ in den Filmen ein „Nayır nolamaz“. Wer etwas von sich hielt, benutzte ab sofort die neuen Wörter. Dieser Ausdruck ist sogar Gegenstand von Gedichten und Liedern geworden.