Die Korruptionsaffäre in der Türkei zieht neue Kreise. Unter anderem wird dem ehemaligen Wirtschaftsminister, Zafer Çağlayan, vorgeworfen, eine Uhr der Marke Patek Philippe in Wert von ca. 250.000 Euro als Geschenk von dem iranisch stämmigen Geschäftsmann Reza Zarrab angenommen zu haben.

Bei einer Anhörung im Parlament gab Zafer Çağlayan an, dass er die Patek Philippe Uhr selbst gekauft habe und der Garantieschein auf seinen Namen aufgeführt wird. „Ich hatte die Uhr in einer Zeitungsreklame gesehen und sie gefiel mir sehr. Daraufhin bin ich mit dem Hersteller der Uhr in Kontakt getreten. Der Hersteller hat mir übermittelt, dass sie die Uhren auf persönlichen Antrag produziert werden. Danach hat mit ein Vertreter des Herstellers angerufen und mich gefragt ob ich die Uhr kaufen möchte? Als dieses Gespräch geführt wurde war Reza Zarrab in der Nähe und hat mir angeboten die Uhr von seinem Büro in der Schweiz abholen zu lassen. Danach habe ich die Uhr über einen Boten bekommen. Die Quittung der Uhr ist auf den Käufer ausgestellt aber auf dem Garantieschein steht mein Name“, so Çağlayan.

Mitarbeiter des Uhrengeschäfts widerspricht Zafer Çağlayan

Doch der Mitarbeiter des Genfer Salons Patek Philippe widersprach nun der Darstellung des Politikers. Jan Philip Seger erklärte der türkischen Zeitung gegenüber, dass grundsätzlich keine Namen auf den Garantiescheinen geführt werden: „Wir führen für unsere Produkte keine Zeitungswerbung. Zudem werden grundsätzlich auf dem Garantieschein eines Patek Philippe Produktes die Zahl der verwendeten Steine, der Karat des Goldes welches verwendet wurde, die Seriennummer und das Produktionsdatum einer Uhr eingetragen. Der Name des Käufers wird nicht auf dem Garantieschein eingetragen.“

Zafer Çağlayan mit der besagten Uhr im Bild unten

Ende Dezember wurden die Söhne von einigen ehemaligen Ministern der Regierungspartei AKP aufgrund Korruptionsvorwürfen festgenommen. Die Männer werden beschuldigt von dem iranisch stämmigen Geschäftsmann Reza Zarrab Schmiergelder angenommen zu haben, um Goldgeschäfte mit dem Iran abzuwickeln.

Çağlayan trat auf Grund der Vorwürfe bereits im Dezember zurück und erklärte damals, dass es sich bei der Korruptionsaffäre „eindeutig um ein Komplott” handle. Vergangene Woche beschloss die Große Nationalversammlung in Ankara die Einrichtung einer Untersuchungskommission mit Blick auf die Korruptionsvorwürfe, die in weiterer Folge zu einer Staatskrise in der Türkei geführt hatten.