Zahl der Asylsuchenden steigt in einem Jahr um fast 50 Prozent

Frankfurt am Main/Berlin – Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland ist in diesem Jahr deutlich gestiegen. 2012 baten 68 000 Menschen um Asyl, wie „Handelsblatt Online“ am Donnerstag unter Berufung auf Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge berichtete. Damit liege die Zahl der Antragsteller so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Gegenüber dem Vorjahr bedeute das einen Anstieg um 49 Prozent. Die Dezember-Zahlen sind noch nicht in dem genannten Wert enthalten.

2011 waren rund 46 000 Asylanträge eingegangen. Einen ungewöhnlich hohen Zugang an Asylsuchenden registrierte das Bundesamt in diesem Jahr aus Serbien und Mazedonien. Weitere wichtige Herkunftsländer waren Afghanistan, Syrien und der Irak.

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl ruft Bund, Länder und Kommunen angesichts der steigenden Asylbewerberzahlen zum Handeln auf. „Deutschland wird sich weiter auf einen deutlichen Anstieg einrichten müssen“, sagte Geschäftsführer Günter Burkhardt am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Afghanistan bleibe ein Fluchtland, der Irak sei nach wie vor instabil, und aus Syrien stehe ein großer Zustrom noch bevor.

Deutschland habe bislang aber versäumt, sich darauf einzustellen. Der Staat habe die Kapazitäten in Asylbewerberunterkünften in den vergangenen Jahren kontinuierlich abgebaut, sagte Burkhardt. „Man ging davon aus, dass die Konflikte Deutschland nicht erreichen.“ Das sei aber ein Trugschluss gewesen.

Burkhardt beklagte eine Politik der Abschottung gegenüber Flüchtlingen in ganz Europa. „Man schließt die Grenzen, schließt die Augen und sorgt nicht vor.“ Er forderte ein Umsteuern. Der Staat solle etwa an Flüchtlinge aus Syrien mit familiären Bindungen nach Deutschland großzügig Visa vergeben und müsse dringend neuen Wohnraum für Asylbewerber schaffen. (dpa)