Hannelore Kraft und weitere prominente Gäste bei der Eröffnung der Landesredaktion von ZAMAN in Düsseldorf.

Es herrscht drangvolle Enge im zweiten Obergeschoss des Düsseldorfer Portobello-Hauses. Nicht nur zahlreiche nordrhein-westfälische Politiker und Mitarbeiter der Pressestellen, die am Rheinufer in unmittelbarer Nachbarschaft zur neuen Landesredaktion arbeiten, sind unter den Gästen, sondern auch Vertreter von türkischen Verbänden aus Köln, Frankfurt und Berlin. Am Montag wurde die neue Landesredaktion der türkisch-sprachigen Tageszeitung „Zaman Avrupa“ („Zeit“) durch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) offiziell eingeweiht. Da die nordrhein-westfälische Regierungschefin auch stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundespartei ist und ein gewichtiges Wort bei der Regierungsbildung in Berlin mitredet, war ihre Teilnahme bis zur letzten Minute ungewiss. Trotz der fortlaufenden Gespräche traf Kraft wie zugesichert als prominenter Gast bei der Redaktions-Eröffnung ein.

„Zaman Avrupa“ bleibt auflagenstärkste türkische Zeitung

Mit einer Auflage von knapp 30.000 Exemplaren ist Zaman nach Angaben des Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V. (IVW) die auflagenstärkste türkisch-sprachige Tageszeitung in Deutschland. „Zaman Avrupa“ setzt in Deutschland im Abonnement sowie im Anfang des Jahres gestarteten Kioskverkauf mehr Exemplare ab als das bekannte türkische Boulevardblatt „Hürriyet“. 2012 lag die verkaufte Auflage bei durchschnittlich knapp 28.000 Exemplaren. Hürriyet musste zuletzt ihre Zentralredaktion für Europa aufgrund von rückläufigen Auflagenzahlen schließen . „Zaman Avrupa“ ist die erste türkisch-sprachige Zeitung, die eine Landesredaktion in NRW eröffnet hat.

Kraft: „Düsseldorf Eyalet Başkentine Hoşgeldiniz“

Ministerpräsidentin Kraft freute sich über den journalistischen Zuwachs in Nordrhein-Westfalen. Es sei erfreulich, dass in einer Zeit, in der nacheinander Redaktionen geschlossen würden, eine neue Mediengruppe in unmittelbarer Nähe der Landespolitik eine Redaktion eröffne. „Zwar spreche ich selber kein türkisch, aber seien Sie versichert, türkische Zeitungen werden bei uns gelesen.“, sagte Kraft bei der Einweihung. Am Ende ihrer Ansprache beglückwünschte Kraft die neue Redaktion auf Türkisch: „Düsseldorf Eyalet Başkentine Hoşgeldiniz“ (Willkommen in der Landeshauptstadt Düsseldorf).

Der neue türkische Generalkonsul Alaattin Temür hob bei seinem Grußwort die Stellung der Zaman in der türkischen Presselandschaft hervor. Er selbst habe die Bekanntschaft mit der Zaman in den 90´er Jahren während seines Master-Studiums in Amerika gemacht. In der damaligen Zeit sei es für ihn ein wichtiges Bedürfnis gewesen, Informationen aus der Türkei zu erhalten. Die Zaman habe dieses Bedürfnis rundum abgedeckt. Zudem sei die Zaman eine seriöse Zeitung, die sich mit ihren vielfältigen Inhalten ständig fortentwickle.

Neben den Ansprachen der beiden Spitzenpolitiker sprach auch der Leiter der Zaman-Landesredaktion, Mehmet Özcan, ein Grußwort. Er erinnerte daran, dass die Zaman schon länger mit einer Redaktion in Düsseldorf vertreten gewesen sei. Allerdings habe die Landespolitik bei der Berichterstattung im Schatten gestanden, weil es an dem entsprechenden journalistischen Personal gefehlt habe. Nun aber sei die Zaman für diese Aufgabe gewappnet. Besonders sei die Lage der Redaktion zwischen Landtag und Staatskanzlei bemerkenswert.

Verlagerung der Zentralredaktion nach Berlin erst im Januar 2013

Mustafa Altas, Vorstandsmitglied der Worldmedia Group, zu der die Zaman und auch das deutsch-türkische Journal gehört, verspricht sich vom Umzug in Düsseldorfer Regierungsviertel bessere Kontakte in die Politik. Nordrhein-Westfalen sei für die in Deutschland lebenden türkischstämmigen Menschen von hoher Relevanz. Erst Anfang des Jahres hatte die „Zaman Avrupa“ ihren Hauptsitz von Offenbach nach Berlin verlagert, um „bessere Kontakte in die Politik“ zu bekommen. Außerdem verstehe man Deutschland in Berlin besser als in Offenbach, sagte Chefredakteur Dursun Celik Anfang des Jahres bei der Einweihung der neuen Zentralredaktion in Berlin.