Benjamin Kilbs Fotos belegten beim zentith Fotopreis den dritten Platz.

Bereits 1999 gründeten sechs Studenten der Orientalistik in Hamburg das Magazin zenith, dessen Themenschwerpunkt unter anderem der Nahe Osten und die islamische Welt sind, das aber auch über das Zeitgeschehen und über Themen der Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Kultur berichtet, welche Einwanderer aus dem Orient in Europa betreffen. Die Publikation hat sich inzwischen einen festen Platz auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt erobert.

Seit einigen Jahren lobt zenith auch einen Fotopreis aus, der auf der Basis des Urteils einer Fachjury vergeben wird, in der Vertreter namhafter Medien sitzen. Nun stehen auch Gewinner des diesjährigen zenith-Fotopreises fest, der in der Vorwoche für Beiträge zum Thema „Muslime in Deutschland“ in Berlin vergeben wurde.

Die sechsköpfige Jury, bestehend aus Vertretern der Medien Der Spiegel (Klaus Brinkbäumer), DTJ (Süleyman Bağ), Leica Fotografie International (Carol Körting), Bild am Sonntag (Marion Horn) und zenith (Marcel Mettelsiefen) sowie der Grundsatzreferentin für interkulturelle Angelegenheiten der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Sawsan Chebli, prämierte dabei die Bildstrecke mit dem Titel „Leben in der Mitte der Konfluenz der Kultur“ von L.M. Arif Relano Oba mit dem Hauptpreis.

„Die Reportage spiegelt den Alltag der sympathischen Masyitah in Deutschland wieder. Die Fotos zeigen ihr Alleinsein in einer fremden Welt, beschreiben aber ebenfalls, dass sie nicht einsam ist“, begründet Marion Horn, Chefredakteurin der Bild am Sonntag, die Entscheidung. Die Strecke rufe positive Emotionen hervor und lasse den Betrachter an dem dargestellten Leben teilnehmen.

Auch die Ahmadiyya-Gemeinde war Gegenstand einer Bildstrecke

Mit dem 2. Preis wurde eine Team-Arbeit des Ehepaars Neziha und Thomas Çetinkaya-Potthoff prämiert. Die Künstler hatten unter dem Titel „Integrationserfolge“ Porträts in Deutschland lebender christlich-muslimischer Paare angefertigt. In den Augen des Fotografenpaares sind diese Menschen „Vorbild und Motivation für ein Zusammenleben in Verständnis und Respekt“.

Der 3. Preis ging an Benjamin Kilb für seine Strecke „Lichtblick und Schattenwuchs – die Ahmadiyya in Deutschland“. Der Bilderbogen offenbart Impressionen vom Leben Angehöriger der seit den 90er-Jahren auch in Deutschland vertretenen Religionsgemeinschaft, die sich selbst als „islamische Reformgemeinde“ beschreibt. Die Arbeit zeige, wie der Islam in Symbiose mit der deutschen Gesellschaft koexistieren könne, schreibt Kilb in seinem Konzept.

Die zenith-Leser und alle Interessierten konnten darüber hinaus auf zenithonline.de per Voting den diesjährigen Träger des Publikumspreises bestimmen: Dabei sammelte Mehmet Ali Alici mit der Bildstrecke „Neue Sprache“ die meisten Punkte. Vor allem die aktive Teilhabe junger Muslime am sozialen und kulturellen Leben in Deutschland liege im Fokus seiner Arbeit, schreibt Alici.

Interessant sei, dass die diesjährigen Wettbewerber offenbar aus ganz unterschiedlichen Alters- und Konfessionsgruppen kämen, kommentierte Robert Chatterjee, Leiter des Projektes und Chef von zenithonline.de, die Ergebnisse. „Dadurch erhalten wir Innenansichten, die sich von den gewohnten Bildern muslimischen Lebens in den Medien abheben. Genau das ist ein Ziel und Motivation des Wettbewerbs.“

Auch internationales Interesse an den Exponaten

Der zenith-Fotopreis ist mit 4500 Euro dotiert und wird jährlich vom Magazin zenith in Kooperation mit der Stiftung Mercator sowie 2013 mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes, durchgeführt. „Der Fotowettbewerb schafft eine Grundlage für Diskussionen, zeigt die Vielfalt der Bilder und hinterfragt damit kritisch die Deutungshoheit im Islam-Diskurs“, betont Bernhard Lorentz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stiftung Mercator, in einer Presseerklärung.

Die Fotostrecken sind seit 2013 in der Mediathek der englischen Ausgabe von zenithonline auch erstmals einem internationalem Publikum zugänglich. Auch einige große Onlineplattformen in der arabischen Welt wie almaniah.com berichten über den Fotopreis und zeigen, wie in Deutschland mit der Integrationsdebatte umgegangen wird.

Im kommenden Jahr 2014 sollen erstmals zwei Kategorien prämiert werden: Ein Hauptpreis für professionelle Fotografen und ein Förderpreis für Jugendliche und Amateure, sowie der Publikumspreis durch das Online-Voting.