Der Chef der türkischen Zentralbank TCMB (Türkiye Cumhuriyeti Merkez Bankası), Erdem Başçı, ist doch nicht von seinem Amt zurückgetreten. Zunächst hatte es diese Spekulation gegeben, da er heute nicht zur Arbeit erschienen war. Die türkische Presse ging davon aus, dass das eine Reaktion auf die Kritik der Regierung und von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan sei.

Das Online-Portal „ankarareview“ berichtete am Vormittag, dass der Finanzexperte an einem Tag nicht zur Arbeit kommen sollte, an dem der Rat der Zentralbank zu einer Konferenz rief. Başçı habe in den vergangenen zehn Jahren nicht ein einziges Mal gefehlt. Die Geschäfte habe er bereits an Murat Çetinkaya übertragen. Auch das ist ungewöhnlich. Der oberste Währungshüter hatte zuvor noch nie im Amt des Vorsitzenden der Zentralbank seine Kompetenzen an einen anderen übertragen. Der 1976 geborene Çetinkaya gilt als größter Kritiker von Başçı und wird in Regierungskreisen als neuer oberster Währungshüter gehandelt.

Am Nachmittag dementierte nun der Pressesprecher die Meldungen, wonach Başçı zurückgetreten sei. Er habe sich heute lediglich einem Gesundheitscheck unterzogen. „Er wird ab morgen Mittag wieder seinen Dienst aufnehmen“, hieß es in der Erklärung.

Erdoğan hatte zuvor immer wieder Druck auf die Notenbank geübt, die Zinsen zu senken. Bei der jüngsten Sitzung der Währungshüter gaben die Banker dem Druck nach und der Leitzins wurde von 7,75 auf 7,50 Prozent gesenkt. Zuletzt hatten der stellvertretende Ministerpräsident Ali Babacan und Erdoğan die Frage aufgeworfen, an wen die Zentralbank gebunden sei. Yiğit Bulut, einer der Berater des Staatspräsidenten, soll sogar so weit gegangen sein und in Richtung der Banker „Adam olun“ („Benehmt euch“) gesagt haben.