Zentralrat der Muslime sieht gutes Verhältnis zu Christen

«Das ist so weit gefestigt, dass das ein Großteil der Bevölkerung sehr wohl zu unterscheiden weiß», sagte der Vorsitzende des Zentralrats, Aiman Mazyek, der Nachrichtenagentur dpa vor einem Besuch des Katholikentags in Mannheim. Christen und Muslime seien sich in Deutschland in den letzten Jahrzehnten deutlich näher gekommen.

In den 70er Jahren wäre es Mazyek zufolge noch undenkbar gewesen, dass Kirchengemeinden und Moscheen gemeinsame Teezelte als Protest gegen Rechtsextreme so wie jetzt gegen Pro NRW organisiert hätten. «Sprache war eine Barriere, viel stärker als heute», sagte Mazyek. «Das hat sich im Positiven gewandelt.» Auf lokaler Ebene gebe es jetzt viel mehr, beispielsweise Gemeindeinitiativen und Religionsforen.

Gleichzeitig habe sich das Verhältnis auf Spitzenebene allerdings abgekühlt: «Um es mal vorsichtig auszudrücken», sagte Mazyek. «Das ist auch zum Teil in manchen Bereichen verhärtet.» Missverständliche Aussagen des Papstes während seines ersten Deutschlandbesuches hätten die Erwartungen der Muslime sehr gedämpft. Bei der Gleichstellung des Islam mit anderen Religionsgemeinschaften wünschten sich die Muslime mehr Unterstützung von den christlichen Kirchen. Ihm sei jedoch auch klar: «Das ist nicht eine Frage von heute auf morgen.»

Der Beitrag von Religion zur Integration werde viel zu wenig beachtet, sagte Mazyek. Ob man ein gläubiger Moslem und gleichzeitig ein loyaler Bürger sein könne? «Ja, man muss es eigentlich!» Religion komme in der Debatte zu wenig als gesellschaftspolitische Ressource vor. «Das können sicherlich Christen und Christinnen genauso unterschreiben.» Religion sei nur ein Thema in den Kirchen oder den Moscheen: «Und das war’s dann.» Maximiliane Koschyk, dpa