Zukunftsberuf auch für Migranten: Wie werde ich Polizist?

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ruft gemeinsam mit der „Zaman“ Jugendliche mit Migrationshintergrund auf, Polizisten zu werden. Der Bedarf an Polizisten werde laut Herrmann so stark steigen, dass die Chancen für den Berufseinstieg immer besser stünden.

„Nach dem Berufseinstieg werden sich weitere Aufgaben und Karrieremöglichkeiten ergeben. Polizisten mit Migrationshintergrund werden eine Bereicherung sein“, sagt Herrmann. Wer Interesse hat, könne sich direkt bei den Polizeidienststellen erkundigen.

Auch türkische Staatsbürger können Polizisten werden

Der Nachwuchsmangel bei der Polizei ist sowohl den Polizeidienststellen als auch den türkischen Bürgern bewusst. Die „Zaman“ hat eine Aufnahmeprüfung an Ort und Stelle beobachtet. Es nahmen neun Teilnehmer teil. Die Prüfung, an der auch türkische Staatsbürger teilnehmen können, fängt mit der Prüfung des Antrags und der Ausweispapiere an. In Bayern können Personen zwischen 17 und 34 Jahren teilnehmen.

Die deutsche Sprache ist sehr wichtig

Um 08.00 nehmen die Teilnehmer am Deutschtest teil. Die jungen Teilnehmer müssen am PC einen Lückentext bearbeiten. Auf diese Weise werden Ihre Deutschkenntnisse getestet. Immerhin muss ein Polizist ja beispielsweise auch Berichte oder ähnliches aufsetzen können. Danach wird ein IQ-Test am PC durchgeführt.

In 6 Sportarten werden Prüfungen absolviert

Gegen 10.30 fängt der körperlich anspruchsvolle Teil an. In sechs Disziplinen müssen die Kandidaten schwitzen: Sit-Ups, Springen über die Kleinbank, Hantel, Pendellauf, Laufen und Schwimmen. Für diese Disziplinen gibt es Einzelnoten. Der Durchschnitt der Einzelnoten bildet dann die Gesamtnote für den Sporttest. Die Teilnehmer dürfen höchsten eine Sechs oder zwei Fünfen haben. Der Gesamtdurchschnitt darf nicht schlechter als 4,5 ausfallen. Beim Schwimmen müssen die Teilnehmer eine 100-Meter-Bahn in höchstens 2 Minuten und 45 Sekunden bewältigen können.

In Gruppen wird eine Lösung erarbeitet

Nach dem Sporttest bekommen die Kandidaten Aufgaben gestellt, die sie in Gruppenarbeit lösen müssen. Der zweite Tag fängt mit einem Gesundheitscheck an. Verbunden damit wird auch ein mündlicher Test über den Beruf selbst. Wenn es keine gesundheitlichen Einschränkungen gibt und die Tests mit einem Durchschnitt von 2,33 oder besser ausfallen, wird ein positiver Bescheid ausgestellt.

Zweisprachigkeit ist ein großer Vorteil

Nicht weniger als 10.000 Teilnehmer melden sich jedes Jahr allein in Bayern für die Aufnahmeprüfung an, um Polizist werden zu können. Davon nehmen am Ende 6.000 an der Prüfung teil, 4.000 kommen durch, aber nur 1.000 bis 1.200 werden am Ende auch eingestellt. Der Mittlere Dienst dauert 2,5 Jahre. Außerdem dürfen die Teilnehmer keine sichtbaren Tattoos außerhalb der Uniform haben. Wer die erste Prüfung nicht schafft, darf es sechs Monate später nochmal versuchen. Ein drittes und letztes Mal dürfen es die Teilnehmer dann erst wieder zwei Jahre später versuchen.

Der Leiter des Bayerischen Polizeipräsidiums in München, Herbert Peter (Foto), gibt an, dass sich in München jedes Jahr 3.000 Kandidaten anmelden, davon einige sehr gut vorbereitet wären, aber auch einige unvorbereitet zur Prüfung erscheinen würden. Die Polizisten hätten die Aufgabe, Probleme zu lösen, deshalb sei die Mehrsprachigkeit neben sehr guten Deutschkenntnissen ein Vorteil. Außerdem weisen die Verantwortlichen auf die Informationsmöglichkeit bei Einstellungsberatern hin.

Voraussetzungen für den Beruf Polizist (Mittlere und gehobener Dienst)

– Deutsche Staatsangehörigkeit (in Bayern können auch türkische Staatsbürger Polizisten werden)
– mindestens 165 cm groß
– Alter zwischen 17 – 25 Jahren (in München Sonderprogramm für 24 bis 34-Jährige)
– stabiler Gesundheitszustand
– keine Vorstrafen
– erfolgreicher Abschluss der Aufnahmeprüfung
– Abschlusszeugnis Mittlere Reife oder Abitur, je nach Dienstart

Die Voraussetzungen sind überall fast gleich. In Deutschland gibt es 16 Polizeipräsidien, bei denen die Aufnahmeprüfungen nur wenig voneinander abweichen. Deswegen kann die Prüfung in München, an der „Zaman“ teilnahm, auch gut als Vergleich dienen. Die Behörden weisen darauf hin, dass in München und Nürnberg täglich Prüfungen stattfinden und die Besten in kurzer Zeit benachrichtigt werden.