Nachdem der Medienkonzern Koza İpek unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt und die Zentrale der zum Konzern gehörenden Fernsehsender Bugün TV und Kanaltürk von der Polizei gestürmt wurden, haben die Zwangsverwalter nun auch den Druck und Vertrieb der Tageszeitungen Bugün und Millet gestoppt.

Der als Zwangsverwalter eingesetzte Rechtsanwalt Hasan Ölçer hat Erhan Başyurt, den Chefredakteur von Bugün, mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden. An seine Stelle wurde Ersoy Dede, Kolumnist der regierungstreuen Tageszeitung Akit, installiert. Weiterhin wurden der Nachrichtenkoordinator Mehmet Yılmaz und die Redakteure Bilal Şahin und Cihan Acar gefeuert. Mitarbeiter der Zeitung veröffentlichen dennoch die digitale Version der Zeitungen auf Twitter.

Bei einer Mitarbeiterversammlung wollten die anwesenden Redakteure wissen, wie es nun weitergehen werde. Die Tageszeitung Zaman berichtet, dass Ölçer den Aufmacher der nun gestoppten Ausgabe kritisierte: „Ihr habt gestern eine katastrophale Zeitung produziert.“ Die Redakteure verteidigten sich. Es sei seine persönliche Meinung, die Zeitung „ihre Ehre“. Es kam zu einem Gemenge. Ölçer beleidigte daraufhin die Redakteure: „Ihr seid unverschämt“. Er verwies auf den Aufmacher „Kayyumla gasp“ („Beschlagnahmung mittels Zwangsveralter“) und fragte in die Runde, wer diese Schlagzeile vertrete. Alle, die mit „Ja“ antworteten, ließ der Zwangsverwalter mit Polizeigewalt abführen. Die Wortwechsel wurden von einem Redakteur aufgenommen und auf Periscope veröffentlicht.

Reporter soll angeklagt werden

Bereits gestern wurde der Chefredakteur des Fernsehsenders Bugün TV, Tarık Toros, mit einem eiligst handschriftlich verfassten Schreiben vor die Tür gesetzt.

Daneben wurden fünf Mitarbeiter bei der Stürmung des Fernsehsenders festgenommen. Gegen den Reporter Kamil Maman soll Anklage erhoben werden. Ihnen wird nicht genehmigte Demonstration und Widerstand gegen die Staatsgewalt vorgeworfen.