Zypern: „Noble Energy“ will Flüssigerdgas-Terminals

Die texanische Unternehmen „Noble Energy“ gab bekannt, es arbeite bereits an den Plänen eines großen Energieprojekts zwischen der Türkei und Israel. Die beiden Ländern hatten erst kürzlich ihre zuvor angespannten Beziehungen wieder normalisiert, nachdem sich der israelische Ministerpräsident Netanjahu für die blutige Erstürmung der „Mavi Marmara“ offiziell entschuldigt hatte.

„Noble Energy“ besitzt 36% an den 2009 im sog. „Tamar“-Feld vor der Mittelmeerküste Israels entdeckten Erdgasvorkommen. Der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens Charles Davidson sagte der Presse, seine Firma prüfe momentan die Möglichkeit das neuentdeckte israelische Erdgas in die Türkei zu pumpen, um es von dort weiter zu potenziellen Abnehmern etwa nach Europa abzutransportieren.

Rohstoffpolitik im östlichen Mittelmeer

Sowohl Ankara als auch Jerusalem erhoffen sich durch die Zusammenarbeit beim Rohstofftransport wirtschaftliche Vorteile.

„Wir erwarten ein zweifaches Wachstum innerhalb der nächsten fünf Jahre. Wir rechnen damit unsere Produktion und unseren finanziellen Gewinn verdoppeln zu können“, sagte Davidson während seiner jüngsten Reise nach Israel im Bezug auf die Zukunft seines Unternehmens.

Vor seinem Israelbesuch reiste Davidson in den griechischen Teil Zyperns und kündigte an, sein „Noble Energy“ beabsichtige das Erdgas erst in speziellen Anlagen auf der Insel zu verflüssigen und es dann mit Schiffen abzutransportieren. Dies würde eine Alternative zur aufwendigen Errichtung einer Untersee-Pipeline von Israel in die Türkei darstellen.

Das Erdgas wird in speziellen Hafenterminals verflüssigt und so zu Flüssigerdgas (LNG für engl. liquefied natural gas), das von Schiffen abgepumpt und anschließend zu einem anderen Terminal transportiert werden kann. Diese Transportmöglichkeit für Erdgas gewinnt in jüngster Zeit zunehmend an Bedeutung. Aktuell werden bei steigender Tendenz mehr als 25 Prozent des weltweit transportierten Erdgases per LNG transportiert. Die Verflüssigung von Erdgas ist zwar sehr energieaufwändig, doch bietet sie gerade für längere Wege zwischen Produzent und Abnehmer große Transportvorteile.

Zypern will Flüssiggas-Terminals bauen und dort auch israelisches Gas verarbeiten

Die Regierung des griechischen Teil Zyperns beantragte Ende März finanzielle Unterstützung zum Bau einer modernen Energieinfrastruktur, darunter auch Flüssiggasterminals. Israel befürwortete den Bau solcher hochmoderner und teurer Anlagen auf Zypern, da dort neben dem zyprischen Gas auch israelisches Erdgas verflüssigt werden soll. Erste Bohrungen sollen im Juni beginnen und etwa 75-90 Tage dauern.

Im Hinblick auf die angespannte finanzielle Situation Zyperns sagte Davidson, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten im griechischen Teil der Insel die Gasvorhaben nicht beeinträchtigt haben und falls doch, dann hätten sie das Vorhaben lediglich bestärkt. „Noble Energy“ unterzeichnete 2008 mit der zyprischen Regierung ein Abkommen zu Probebohrungen im östlichen Mittelmeer. Davidson sagte, sein Unternehmen suche für die Bohrungen noch nach einem strategischen Partner und habe darüber bereits mit der Regierung Zyperns gesprochen.

Auch Ankara erhebt Anspruch auf Teile der Vorkommen im östlichen Mittelmeer und warnte Nikosia Ende März vor einem eigenmächtigen Ausverkauf des zyprischen Erdgas.