Akif Pirinçci

Pirinçci, der neue Star der Rechtspopulisten und PI-Nazis

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Das neudeutsche Wort „Shitstorm“ muss einmal mehr bemüht werden, wobei es schon lange nicht mehr ausreicht für das, was sich im Internet abspielt. Die Extreme nehmen zu. Inzwischen hat sich eine der unflätigen Verbalinjurien Akif Pirinçcis viral zu einem Mordaufruf ausgewachsen. Opfer ist eine Professorin der Universität Kassel, Täter ein biederer Unternehmer aus Süddeutschland.

Pirinçci ist der neue Star der Rechtspopulisten und PI-Nazis. Als sich selbst assimilierender Türkeistämmiger scheint er als Kronzeuge gegen Multikulti besonders geeignet, als erfolgreicher Buchautor von Katzenkrimis unterstellt man ihm ob seiner Fäkalsprache auch nicht fehlende Sprachkompetenz. Er weiß, was er tut. Und diejenigen, die ihn aufgebaut und voran gebracht haben, auch. Lange vor seinem Auftritt im ZDF-Mittagsmagazin konnte er seine Angriffe auf die Gesellschaft auf dem Blog des Autoren-Netzwerks „Achse des Guten“ publizieren. „Das Schlachten hat begonnen“ gilt dort schon lange.

„In den Knast gesteckt und solange dort behalten, bis sie verrottet wäre“

Auf seiner Facebook-Seite heißt es nun am 3. Juli: „Noch vor dreißig Jahren hätte man so eine Alte in den Knast gesteckt und sie solange dort behalten, bis sie verrottet wäre. Heute werden die Eltern der Kinder, welche diese Arschfick-Affine ganz offiziell verderben darf, von unserer ebenfalls arschgefickten Regierung gezwungen, mit ihren Steuergeldern ihr monatlich einen Gehalt in Höhe eines Chefarztes zu zahlen – sonst kommen nämlich sie ins Gefängnis. Sie finden meine Worte zu hart? Aber mitnichten. Die kann was vertragen, diese Berufsperverse.“ 952 Personen gefällt das (bis zum 11.07.2014, 13 Uhr).

Gemeint ist Frau Professor Tuider, die an der Universität Kassel Geschlechterforschung betreibt und sich u.a. mit Feministischer und Queer-Theory sowie mit Migrationsfragen  befasst. Das ist offensichtlich dem abgerutschten Autor von „Deutschland von Sinnen. Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer“ ein Dorn im Auge. Dass Pirinçcis Verbalattacken und die seiner Netzfreunde nicht unterschätzt werden sollen, dafür plädiert inzwischen ein Solidaritätseintrag auf der Website von Prof. Heinz-Jürgen Voß, der sich als Kollege betroffen fühlt.

Zwar geht Voß nicht auf den suggestiven Aufruf zum Mord von Eduard Schritter ein, der diesen als Pirinçci-Fan auf dessen Seite postet, aber für die Gefährlichkeit des immer vulgärer und hasserfüllter werdenden Diskurses hat er ein Problembewusstsein. Voß schreibt am 8. Juli auf seiner Website: „Auch wirken Sarrazin, Pirinçci & Co an einem Klima in der Bundesrepublik Deutschland mit, in dem zunehmend die verfassungsmäßigen Grundrechte vieler Menschen in Frage gestellt und Demokratie ausgehöhlt wird. Sarrazin, Pirinçci & Co schüren Hass und Gewalt, im Großen und gegen einzelne Menschen.“

Höflich ist anders

Eduard Schritter jedoch verdient eine ganz eigene Beachtung, wenn er am 3. Juli auf Pirinçcis Facebook-Seite schreibt: „[…] diesen Genderlesben jeweils 8x9mm ins Gehirn zu jagen […]“. Schritter ist mit Klarnamen im Netz unterwegs und seine Ausdrucksweise klingt auf der Website seines Unternehmens etwas gediegener und ist natürlich auf seine Tätigkeit als Unternehmensberater bezogen: „kreatives Denken in Führung und Belegschaft stetig leben und fördern, Verkrustungen erkennen und sprengen, Regelbruch als Philosophie, um so Märkte als Vorreiter neu erfinden und dominieren zu können, Prozessoptimierung, Innovationen denken, dann aber auch umsetzen […].“

Nur unwesentlich harmloser kommt der Rechtsanwalt Henrik Hartmann daher, der „spaßig“ via Pirinçcis Romanfigur Francis vorschlägt, Prof. Tuider vergewaltigen zu lassen: „Hallo Akif, könnten Sie nicht mal Francis und seine Kumpels losschicken, damit sie dieses Päderastenweib mit all ihren Häkeldeckchen, Windeln und Schraubenziehern, Vakuumpumpen, Dildos, Kondomen, Potenzmitteln, Vaginalkugeln, Lack und Leder, Handschellen und Kamasutra – natürlich nach vorheriger Umgestaltung ihrer Wohnung zu einem Puff – im Gangbang-Style anal penetrieren (das scheint sie ja besonders zu mögen) und es ihr von vorne, hinten, rechts, links, oben und unten so richtig besorgen?“ Offenbar hält der Jurist aus Offenburg sein Posting bei Pirinçci für gerichtsfest, wobei die Aufforderung zur Straftat deutlich und die Beleidigung und Verleumdung durch „Päderastenweib“ noch deutlicher formuliert ist. Nach meiner Kenntnis rufen nicht einmal bekannte NPD-Anwälte so offen zu Straftaten auf. Der sich bekennende AfD-Sympathisant sowie der Facebook-Seitenbetreiber selbst haben da offensichtlich eine andere Rechtsauffassung.