B端rgerkrieg ist schlimm, Krieg auch

Der Diktator f端hrt Krieg gegen sein eigenes Volk. – An S辰tze wie diesen haben wir uns schon gew旦hnt bem端ht wurden solche Behauptungen beim Werben f端r den Kriegseinsatz im Irak, in Libyen und anderswo. Aus vermeintlich humanit辰ren Gr端nden wird ein B旦sewicht personalisiert, der beseitigt werden soll: einst Saddam, dann Gaddafi und nun Assad. Bei allen l辰sst sich auf eine lange Tradition der D辰monisierung zur端ckblicken, wobei die Genannten nun wahrlich keine Engel sind genauso wenig wie diejenigen, die sich ihnen gegen端ber als Feldmarschall aufspielen. Aber der Zwang zum Handeln wird mithilfe der Medien systematisch aufgebaut. Diejenigen, die vor Eskalation und Krieg warnen, werden schnell der Komplizenschaft mit einem Diktator bezichtigt. Dabei wird mithilfe der Personalisierung des Kriegsziels ausgeblendet, wen die Bombardierungen mehrheitlich treffen: die Zivilbev旦lkerung. Die eingesetzten Kriegswerkzeuge, auch wenn sie aktuell wieder chirurgisch und pr辰zise genannt werden, treffen vor allem Zivilisten.

Seit den Weltkriegen hat sich das Verh辰ltnis der Kriegsversehrten nahezu umgekehrt. Waren fr端her Zivilisten die Minderzahl unter den Kriegsopfern, so bilden sie schon seit Jahren die Mehrzahl. Die Beispiele Irak, Afghanistan und auch Libyen liefern daf端r ein erschreckendes Zeugnis. Wie auch daf端r, dass die Kriegsgr端nde die Selbststilisierung der Invasoren als Helfende jeweils vorgeschoben waren. Es handelte sich jeweils um Wirtschaftskriege, die geostrategischen berlegungen folgen sonst h辰tte man aus humanit辰ren Gr端nden l辰ngst Saudi-Arabien angreifen m端ssen. Dessen Regierung ist aber eine der wichtigsten Verb端ndeten jener Wirtschaftsallianz, die besonders an den Kriegen der Neuzeit interessiert ist: die der USA und westlicher, internationaler Grokonzerne.

Bev旦lkerung auf humanit辰re Intervention konditioniert?

John Perkins hat in seinem Buch Bekenntnisse eines Economic Hitman die Zusammenh辰nge erhellend beschrieben: Nicht zuf辰llig erhielt der Grokonzern Bechtel die ersten Auftr辰ge f端r die Umstrukturierung des Irak nach der Invasion nicht als Dankesch旦n f端r die Wahlkampfhilfe f端r die Familie Bush, wie es damals einige Medien vermuteten. Noch viel wahrscheinlicher war die F端tterung des milit辰risch-industriellen Komplexes, wozu Bechtel, Halliburton & Co. geh旦ren, wie auch das Personalkarussell um Bush, Cheney, Schultz und andere, die zwischen Regierungs辰mtern und Posten in derlei Firmen wechseln, gar einer der Kriegsgr端nde. Korporatokratie nennt Perkins das System, eine Diktatur der Konzerne.

Da f端hren uns einige Lobbyisten an der Nase herum und das Erschreckende dabei ist, dass die vielfach wiederholte und jedes Mal widerlegte Strategie der humanit辰ren Intervention immer noch greift auch wenn dies zumindest bislang noch nicht offiziell als Begr端ndung f端r den Milit辰reinsatz genannt wird. Nicht unbedingt bei den Bev旦lkerungen der kriegsm辰chtigen L辰nder, aber bei deren Regierungen – und wer fragt schon das Volk, den angeblichen Souver辰n?

Unsere Medien verschweigen diese Zusammenh辰nge zum groen Teil, ja machen sich gar zum F端rsprecher einer Intervention. Von im Stich lassen ist die Rede, wie vom zu lange Warten und von einer m旦glichen Isolation Deutschlands, dessen B端ndnistreue (gemeint ist damit die NATO, nicht UN und V旦lkerrecht) im Wahlkampf auf eine harte Probe gestellt werden k旦nne. Dabei ist offensichtlich, was getan werden kann um die Eskalation und das Sterben in Syrien zu beenden: Einstellen aller Waffenlieferungen denn die sog. Rebellen, die anderswo Terroristen genannt werden, werden vom Westen ausger端stet. Und, wie russische Medien nahe legen, m旦glicherweise gar auch mit Giftgas aus NATO-Best辰nden. Wenn aber die alten Kalten Krieger Russland und die USA hier einen Stellvertreterkrieg f端hren, dann w辰ren sie es auch, die das Blutvergieen beenden k旦nnten wenn sie denn wollten. Und das von auen, so wie auch der Aufruhr von auen gesteuert wird. Es sieht ganz so aus, als ob Assad bei bestimmten Konstellationen der Economic Hitmen nicht mitspielen wolle.

konomische Interessen, von denen keiner spricht?

Dies hat bereits Gaddafi den Kopf gekostet, der mit seiner Vorstellung einer unabh辰ngigen afrikanischen W辰hrung den Interessen von IWF, Weltbank und wiederum der USA zuwiderhandelte. Auch Saddam Hussein hat sich in diesem diplomatischen Spiel nicht konform verhalten und war somit als Komplize nicht mehr tragbar. Im Gegensatz zu Saudi-Arabien, Katar und Bahrain was schl端ssig erkl辰ren kann, warum diese Monarchien immer noch existieren. John Perkins beschreibt ausf端hrlich den Deal mit regierungsnahen US-Firmen als das saudi-arabische Geldw辰sche-Projekt.

Bashar al-Assad, der wider Willen seinen Vater Hafez beerbt hat, nachdem dessen anderer Sohn, Bashars Bruder, bei einem Autounfall ums Leben kam, h辰tte sich l辰ngst in seine Arztpraxis nach London zur端ckziehen k旦nnen. Seine Reformversuche in Syrien waren sicher nicht ausreichend, aber ihm vollkommene Irrationalit辰t und Machtgier zu unterstellen, greift nur in die Propagandakiste und widerspricht einer realistischen Einsch辰tzung der komplexen Situation im Land. W端rde man ihn jedoch als rationalen und verantwortlichen Machthaber einstufen, dann machte die ganze Giftgasbeschuldigung keinen Sinn es war in zwei Jahren nicht gelungen, ihn zu st端rzen und der internationale R端ckhalt f端r die Rebellen br旦ckelte, je mehr extreme Gruppierungen wie Al Nusra an Boden gewannen.

False Flag wird als Ursache von vornherein ausgeschlossen

Es ist absehbar, das bald nach dem Kurzeinsatz des westlichen Kriegsb端ndnisses ein Raunen durch die Medien gehen wird, wie man neuerlich den US-Geheimdiensten aufsitzen konnte, die als einzige Quelle f端r die Urheberschaft des Giftgaseinsatzes zeichnen. Die Doppeldeutigkeit des letzten Satzes ist gewollt: Denn es gibt noch einen dritten m旦glichen Akteur, der verantwortlich f端r den Einsatz chemischer Kampfstoffe in Syrien sein k旦nnte. W辰hrend unsere Medien und Think-Tanks einem rein dualen Diskurs fr旦nen, wo die Entscheidung zwischen dem syrischen Regime auf der einen und den Terroristen auf der anderen Seite liegen m端sse, w辰re es nicht das erste Mal, dass Geheimdienste hier ihre Hand im Spiel h辰tten.

False-Flag-Operationen hatte es in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Und diese M旦glichkeit erst nach einer weiteren Eskalation zu untersuchen, ist sicher das Gegenteil von einer humanit辰ren Manahme. Humanit辰r ist auch nicht, die syrischen Familien in Deutschland im Stich zu lassen, die ihre Verwandten einladen und auch f端r diese aufkommen m旦chten. Seit dem Beginn der Ausschreitungen erhielt niemand ein Visum. Stattdessen scheint es inzwischen 端blich, dass man sich Menschen aus der Region vor allem in Fl端chtlingslagern vorstellt, vor denen sie zu guter Letzt noch von einem Empfangskomitee aus Neonazis begr端t werden oder eben als Tote.