Über den Sinn der staatlichen Arbeitsvermittlung

Fachkräftemangel im Jobcenter

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Mit einem Notendurchschnitt von 2.0 schließt sie ihr Medizinstudium ab. Und da man mit erfolgreichem Abschluss sofort den Studentenstatus verliert, begibt sich die Ex-Studentin direkt am nächsten Tag zum Jobcenter, um sich arbeitssuchend zu melden. Dort erhält sie nicht nur Ansprüche auf Arbeitslosengeld und eine Krankenversicherung, sondern auch Jobangebote: Call-Center, Kassiererin und dergleichen.

Auf ihre Nachfrage und ihren Hinweis, dass sie bereits während der Wartezeit im System des Jobcenters Stellenangebote als Assistenzärztin gefunden habe, wurde sie darüber aufgeklärt, wie sie ihre neue Situation einzuschätzen habe. Schließlich sei man nicht dafür da, ihr einen passenden Job zu vermitteln, allerdings sei man dafür da, sie irgendwie unterzubringen in Bewerbungsverfahren, Maßnahmen oder dergleichen. Das klingt statistikfreundlich, aber auch unklug. Tut aber nichts zur Sache. Wer Arbeitslosengeld beziehen will, muss sich dem System beugen.

Daraufhin wendet sich die angehende Medizinerin an die nächst höhere Dienststelle bis hin zum Ministerium, um nachzufragen, ob es volkswirtschaftlich klug ist, gut ausgebildete Menschen fachfremd zu verwenden, während in dem Bereich gar noch Fachkräfte gesucht werden. Außerdem könnte sie inzwischen längst Steuern zahlen und nicht zu wenig, stattdessen liegt sie dem Sozialstaat auf der Tasche. Sie erhielt abschlägige bis gar keine Antworten. Derlei Verhalten wird nicht goutiert und inzwischen fühlt sich die junge Frau schikaniert.

Zeit für eigene Vorstellungsgespräche fehlt

Denn schließlich wurde sie überhäuft mit unqualifizierten Stellen, auf die sie sich aber bewerben und die Bewerbungen nachweisen musste. So geschehen nahm sie inzwischen eines der Angebote an, um aus dem Bewerbungssystem Jobcenter wieder aussteigen zu können. Ihre eigenen Bewerbungsverfahren sind damit etwas erschwert, weil schlicht die Zeit für die Vorstellungsgespräche fehlt. Angesichts des hohen Bedarfs im medizinischen Bereich, ist ihr Optimismus jedoch ungebrochen – nur am Sinn von Jobcentern hat sie gelernt zu zweifeln.

Der Fall ist ja hoffentlich eine Ausnahme. Zu befürchten ist jedoch, dass er das nicht ist. Und dann würde sich der Verdacht erhärten, dass das viele Gerede vom Fachkräftemangel eben nur Gerede ist. Vielleicht sind ja die Mitarbeiter des Jobcenters gar nicht so dumm, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Denn ausländische Fachkräfte sind billiger einzustellen, als einheimische mit teurer Ausbildung und entsprechenden Lohnansprüchen. Dennoch würde sich das Lohndumping nur betriebswirtschaftlich rechnen, volkswirtschaftlich jedoch nicht. Und an letzterem müsste die Politik eigentlich interessiert sein.